Naturschutz in der Gemeinde
Die österreichische Marktgemeinde Rankweil im Bundesland Vorarlberg geht in Kooperation mit dem Landesprogramm Naturvielfalt in der Gemeinde im Rahmen der Bildungsreihe "Wissen vermitteln" neue Wege. Viele der öffentlichen Grünflächen werden als nicht mehr zeitgemäß, als zu pflegeintensiv und kostenträchtig oder schlichtweg als unschön betrachtet. Eine naturnahe Ausrichtung wäre eine Lösung, denn naturnahe Begrünungen liegen nicht nur im Trend, sondern sind im Schnitt kostengünstiger und sehr viel pflegeleichter als naturfremde.
Mit diesem Hintergrund starten Naturvielfalt in der Gemeinde und Marktgemeinde Rankweil mehrere Pilotflächen mit heimischen Ansaaten und Pflanzungen. Bewusst werden dabei sehr extensive Ansaaten mit Initialpflanzungen gewählt, die für die gewählten Sonderstandorte wie Verkehrsinseln und Mittelstreifen angepasst sind.
Heimisches Saatgut: Das Saatgut für das Pilotprojekt stammt aus nächstmöglicher Nähe. Es werden bewusst viele verschiedene Saatgutmischungen auf verschiedenen Substraten eingesetzt, um die Vielfalt der Möglichkeiten zu demonstrieren und auch hier die oder die besten herausfinden zu können.
Das Tagesseminar im Mai 2011 war ein voller Erfolg. Statt der erwarteten 5-10 Teilnehmer aus 2-3 Gemeinden kamen 40 aus insgesamt 16 Vorarlberger Gemeinden.
Projektkoordination
Christiane Machold
Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abt. Naturschutz
Katrin Löning
Österreichisches Ökologieinstitut
Organisation vor Ort
Wilfried Amman
Gemeinde Rankweil
Planung und Projektleitung
Dr. Reinhard Witt

- Die Flächen vorher. Lästiger Unkrautwuchs...

- ...und Gras & Co. Pflegeaufwändig, teuer, unökologisch. Das muss sich schnellstens ändern! Ein naturnahes, nachhaltiges Pilotprojekt muss her!

- Als erstes werden die Teilnehmer mit den Wildpflanzen vertraut gemacht.

- Anfassen und genaues Betrachten gehören zum einprägsamen Lernen.

- Die Vegetationstechnik wird demonstriert...

- ...und gleich in die Praxis umgesetzt.

- Wie pflanze ich unkrautfrei?

- Wie verteile ich die Initialstauden auf den Flächen?

- Danach können die Seminaristen unkrautfreies Pflanzen selbst ausprobieren.

- Wildblumensaaatgut ist etwas sehr Spezielles. Das bedarf einiger Erklärungen.

- Auch Aussäen will gelernt sein.

- Und sofort wird es praxisnah eingeübt.
10 Wochen später, das Blütenfest beginnt
Gut, dass es die unsere geheimen Zauberpflanzen gibt. Das sind Arten, mit denen wir schnellen und für kritische Äuglein sichtbaren Erfolg haben. In Rankweil hat es nur 10 Wochen gedauert, bis der Erfolg das Konzept bestätigt. Es grünt überall, vielfach blüht es bereits prächtig. Warum? Zauberpflanzen eben!

- Erinnern Sie sich noch? An "Kieswüsten"? Ödnis? Kargheit? Nicht mehr? Gut so, denn diese Bilder wirken wie Gehirnwäsche für Ungläubige. Das gibt´s doch gar nicht! Doch das gibts: billiger und besser und schöner dazu als konventionelle Rasenschernis. Artenreiche nachhaltige Ansaaten und Pflanzungen mit heimischer Natur sind eben unschlagbar. Überzeugend.

- Zauberpflanzen wie Nelkenleimkraut verwöhnen uns mit ihrer Erscheinung. Nach 2 Monaten und einer Woche!

- Öffentlichkeitsarbeit ist essentiell.
4 Monate später, alles wird gut
Vier Monate später können wir uns beruhigt zurücklegen. Alles bestens. Schöner als von Kritikern erwartet. Kritiker? Es gibt keine (mehr)! Ein bisschen Pflege muss sein. Also ein weiteres Seminar. Als I-Tüpfelchen noch ein Bio-Zertifikat vom Naturgarten e.V. Alle sind stolz.

- Mit ersten Raritäten. Neben unzähligen Honig- und Wildbienen, Hummeln kommen auch seltene Schmetterlinge wie dieser Bläuling.

- Was muss hier raus? Die Seminarteilnehmer lernen die Entwicklungspflege öffentlicher Wildblumenstreifen.

- Höhepunkt ist die Verleihung des Zertifikat des Naturgarten eV. Die erste geprüfte biozertifizierte Grünfläche Europas.

- Und so sieht das gute Stück aus.
Ein Jahr später, alles ist gut
Ein Jahr darauf. Mitte April blüht es bereits, die Zwiebeln zeigen sich und alle sind blumenfroh! Und die Pflegezeit ist rekordverdächtig - niedrig. Weiter so!

- Die Begutachtung der Folgekursteilnehmer fällt zufrieden aus. So machen wir das auch!

- Wildtulpen am Straßenrand? Why not? Es gibt Schlimmeres dort.

- Zwiebeln stecken lohnt. Traubenhyazinthen und Wildtulpen im April.

- Nein, da machen wir doch gleich weiter in der Vorzeige-Marktgemeinde. Jetzt folgt eine heimische Staudenmischpflanzung am Kirchplatz. Und eine 1800 m² große Blumenwiese daneben. Und am Wasserrad der Wildblumensaum. Und die Rosen-Duftpflanzung am Gehweg... und, und, und...er hat uns gepackt, der Naturgartenvirus ist einfach nachhaltig erfolgreich.



