Staudenmischpflanzungen – der neue Trend - Nachmachen erwünscht
Staudenmischpflanzungen...
In den letzten Jahren entwickelten sich im öffentlichen Grün neue Tendenzen. Viele Kommunen nahmen mit großer Begeisterung die von verschiedenen Fachhochschulen entwickelten Staudenmischpflanzungen auf. Das ist zu begrüßen, denn gerade im öffentlichen Grün befinden sich artenreiche und ästhetisch ansprechende Staudenpflanzungen seit Jahrzehnten auf dem Rückzug. Genauso gut eignen sich solche Rezepte aber auch für den eigenen Garten.
Das neue Konzept sieht für unkrautfreie Flächen eine bunte Mischung verschiedenster Stauden vor. Es handelt sich um durchdachte Rezepte, die unabhängig von der Fläche umgesetzt werden können.
Vorteile sind
- unkompliziert in Planung und Pflanzung
- attraktiv und langblühend durch Zwiebeln und Stauden
- gegenüber herkömmlichen Staudenpflanzungen kostengünstiger
- einfache Pflege durch Mähen einmal im Jahr
- wesentlich längere Haltbarkeit als konventionelle Beete.
Staudenmischpflanzungen, man sieht sie vielerorts - liegen im Trend. Das Problem besteht eher in der Auswahl, denn das Angebot ist schon fast unüberschaubar. Zur Zeit existieren über 40 verschiedene Mischpflanzungen fürs öffentliche und private Grün. Einen Überblick gibt u.a. die Seite www.staudenverwendung.de oder auch www.durchgeblueht.de. Bei den Naturgartentagen 2008 im hessischen Grünberg stellte Prof. Dr. Wolfram Kircher von der Fachhochschule Bernburg in Sachsen-Anhalt als einer der Pioniere verschiedene Mischungen vor. Es zeigte sich, dass es zwar sehr viele Zusammenstellungen mit exotischen, nicht-heimischen Arten gibt, aber momentan nahezu keine heimischen mehr im Gebrauch sind. Die wenigen von Prof. Kircher entwickelten Mischungen mit heimischen Arten bezogen sich speziell auf den östlichen Harz, sind also zu regional zugeschnitten. Deshalb wird hier mit zwei neuen heimischen Mischpflanzungen für das ganze Bundesgebiet ein zweiter Anfang gemacht.
…mit Schwerpunkt heimischer Arten
Die hier vorgestellten Zusammenstellungen der Naturgarten-Blütensteppe schließen eine Lücke im Bereich der sehr bewährten Mischpflanzungen wie Silbersommer, Perennemix, Wädenswiler Mischungen, etc. Sie legen den Schwerpunkt auf heimische Arten und bringen die gegenwärtigen Forschungen und Erkenntnisse auf den aktuellen Stand. Sie werden in zwei Farbkompositionen angeboten: Schwerpunkt mit den Blütenfarben
- rot und weiß
- blau, weiß und gelb
Beides gibt es noch dazu in zwei Varianten. Je nach persönlicher Ausrichtung kann dabei die rein heimische Variante oder die mit Sorten gewählt werden. So lassen sich trotz verschiedener Ansatzpunkte, Anschauungen und Meinungen heimische Zusammenstellungen finden. Sowohl für „reine“ Naturgärtner als auch für „konventionelle“ Staudengärtner besteht hiermit ein attraktives Angebot. Verbesserungsvorschläge und regionale Anpassungen sind erwünscht und nötig. Auch werden nicht in jedem Fall alle der Arten zu bekommen sein. Es ist Ziel dieser Veröffentlichung, dass möglichst viele Institutionen, Kommunen und Privatleute diese Vorschläge in der Praxis ausprobieren. Rückmeldungen dazu bitte direkt an Reinhard Witt. Die Pflanzvorschläge werden Jahr für Jahr mit den neu gewonnenen Praxisergebnissen aktualisiert. Auf meiner Webseite www.reinhard-witt.de ist immer der jeweils gültige Stand zu finden.
Prinzipien heimischer Mischpflanzungen
1. Schwerpunkt heimische Arten. Als Maßgabe dient der aktuelle Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (Haeupler/Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands, Ulmer 2007). Das Hauptgewicht liegt auf indigenen und archäophytischen Arten, daneben kommen auch neophytische Arten zum Zuge, aber keine potentiell invasorischen.
2. Die Grundkonzeption sind bei uns wachsende Arten ohne Sorten. Sorten von hiesigen Wildpflanzen können aus ästhetischen Gründen verwendet werden, sofern es sich um fertile, genetisch durch Aussaat sich vermehrende Arten handelt, also Mutationen von hiesigen Wildarten.
3. Maximal 10 % fremde Arten. Aus Gründen der Struktur und Textur der Pflanzung sind wenige, nicht-invasorische Arten angebracht. Es wird aber für diese möglicher hiesiger Ersatz genannt.
4. Gleichzeitig Pflanzungen und Ansaaten. Die Substrate werden so gebaut, dass gleichzeitig Ansaaten von Pionierarten (Ein-, Zweijährige) und Stauden in den Lücken möglich sind.
5. Das Prinzip Nachhaltigkeit mit entsprechenden Pflanzungen und Ansaaten (Reinhard Witt: Nachhaltige Pflanzungen udn Ansaaten. Naturgarten 2012) wird angestrebt. Die verwendeten Arten sollen sich vegetativ oder generativ vermehren können, um über möglichst lange Zeiträume erfolgreiche, ästhetisch ansprechende, kostengünstige und pflegeleichte Mischpflanzungen zu ergeben.
Substrate für die Naturgarten-Blütensteppe
Grundvoraussetzung sind unkrautfreie Substrate ohne Wurzelunkräuter. Beide Pflanzvorschläge benötigen Trockenstandorte, die besonders schönblütig und pflegeleicht sind, was gerade im öffentlichen Bereich oft vorkommt.
Beide Mischungen sind für magere. trockene Standorte konzipiert, z.B. für Verkehrsinseln, Strassenränder und ähnliche mineralische oder Rohbodenstandorte. Oft sind solche Standorte bauseits durch den Wegebau bereits vorhanden, wodurch folglich keine zusätzlichen Maßnahmen getroffen werden müssen, so dass Punkt 1+2 wegfallen. Immer aber auf unkrautfreie Böden achten, sonst funktionieren die Rezepte garantiert nicht.
1. Oberboden ca. 15-20 cm tief entfernen, dabei alle Wurzelunkräuter wie Quecke noch tiefer ausgraben und vollständig jäten.
2. Auffüllen durch 15-20 cm mineralische Baustoffe wie Kies, Schotter, Recyclingbruch. Wichtig für die Ansaat ist eine Korngrössenverteilung mit Nullanteil, etwa 0/22, 0/26 oder 0/32 mm. Auch Sand 0/4 mm ist geeignet, allerdings basieren die Vorschläge auf kalkreicheren Substraten. Es muss also ein kalkreicher Sand sein.
3. Einarbeiten mit Rechen oder Misthacke von ca. 2 cm hygienisiertem Grünschnittkompost in die oberen 2-3 cm.
4. Bepflanzung und Einsaat mit den Naturgarten-Blütensteppe-Varianten.
Pflanzzeiten

- Im Herbst werden die fehlenden Blumenzwiebeln gesteckt.
Man kann Staudenmischpflanzungen bei frostfreiem Boden das ganze Jahr über anlegen. Auch darf ganzjährig gesät werden. Optimale Zeitpunkte sind natürlich Frühling und Frühsommer, da sich hier sofort Erfolg zeigt. Zwiebeln werden im Herbst zwischen die Stauden gesteckt. Hierbei kann man einzelne Arten in kleinen Trupps lassen oder alles bunt mischen.
Pflege

- Eine Hochsommermahd Ende Juli bringt eine schöne Zweitblüte ab September.

- Die Mischpflanzung geht ungemäht in den Winter.

- Die trockenen Stängel sind Lebenraum für Kleintiere, Vogelfutterplatz und außerdem ästhetisch ansprechend.
1. Falls möglich, die Ansaatflächen 6 Wochen feucht halten.
2. Trotz prinzipieller Unkrautfreiheit des Bodens sollten für die ersten 2-3 Jahre jährlich 2-3 Pflegegänge durchgeführt werden, um einfliegende Samenunkräuter oder übersehene Wurzelunkräuter von vornherein auszumerzen.
3. Die Mischungen müssen nur einmal jährlich mit Balken oder Fadenmäher gemäht (vorzugsweise im Spätwinter vor Beginn des Zwiebelaustriebes) werden. Das Mähgut darf nicht liegen bleiben. Halbgehölze wie Salbeiarten sind von der Mahd auszusparen. Nur in schneereichen Regionen sollte eine Herbstmahd erfolgen, ansonsten ist der Winterstand der trockenen Stauden und Gräser bis zum Austrieb der Zwiebeln im Februar/März/April zu bevorzugen. Manche Kommunen mähen dennoch zweimal. Die Mahd Ende Juli sorgt für eine ansprechende Zweitblüte ab September, die zweite Mahd erfolgt dann zwischen Oktober und März/April.
Zu den Artenlisten
Rot-weiße Naturgarten-Blütensteppe. Einfach auf diesen Text klicken.
Blau-weiß-gelbe Naturgarten-Blütensteppe. Einfach auf diesen Text klicken.
Entwicklung der rot-weißen Naturgarten-Blütensteppe im 1. und 2. Jahr
Im ersten Jahr bringen vor allem die Ansaaten die Optik. Hiervon ist der Schnellste das Wilde Löwenmaul, während Berglauch und Sandthymian als Langkeimer frühestens im kommenden Jahr blühen werden. Die gepflanzten Stauden und Gräser brauchen ebenfalls bis zum nächsten Jahr, bis sie sich öffentlichkeitswirksam entfalten können.

- Die Ansaat der Wildform des Löwenmauls färbt die Naturgarten-Blütensteppe bereits in 3 Monaten ein, das Foto zeigt den 4. Monat. Die gepflanzten Stauden leiden darunter aber nicht. Ein schneller, ein wunderschöner Erfolg. Dank heimischer Wildstauden.

- Im zweiten Jahr gesellen sich zu den Ansaaten immer mehr blühende Stauden. Die Bodenfläche beginnt sich zu schließen.
Naturgarten-Blütensteppe rot-weiß im 3. Jahr
Das dritte Jahr bringt die gepflanzten Stauden mehr in den Vordergrund. Die eingesäten Pionierarten Nelkenleimkraut und Wildes Löwenmaul beginnen sich zurückzuziehen. Und allmählich breiten sich die Wildblumenzwiebeln aus.

- Im zweiten Jahr prägen zwischen März und Mai die Zwiebeln das Bild. Ob Elfenkrokus...

- ... oder Wildtulpen, die Mischpflanzung bietet jeden Monat neue Überraschungen.

- Und allmählich machen sich die gepflanzten Stauden breit. Sie beginnen den Platz zu erobern, wie hier Kriechendes Seifenkraut und Österreichischer Beifuß.

- An anderer Stelle Graslilie, Gipskraut und Co.

- Typisch für die Artenzusammenstellung ist Bergminze, Dauer- und Spätblüher und erspürbare Duftpflanze dazu.
Naturgarten-Blütensteppe rot-weiß im 4. Jahr
Je nach Standort verbreiten sich die passenden Staudenarten, unpassende verschwinden. Lücken werden sogleich durch Selbstaussaat geschlossen. Trotz anfänglich gleicher Rezeptur sieht jede Fläche aus - eine Antwort natürlicher nachhaltiger Entwicklungsprozesse.

- Ein harmonisches pflegeleichtes Bild. Die Lücken sind geschlossen durch natürliche Vermehrung und Aussaat der heimischen Wildpflanzen.

- Bergminze gehört zu den Wildstauden, die sich gut aussäen und so für einen nachhaltigen Fortbestand sorgen.
Entwicklung der blau-weiß-gelben Naturgarten-Blütensteppe im 1. und 2. Jahr
Auch hier prägen Ansaten das erste Jahr mehr als die langsameren Stauden. Von den drei gesäten Arten ist eine besonders schnell: Steppensalbei. Die ebenfalls gesäten Blauer Lein und Wiesenschlüsselblume sind bekanntlicherweise längerfristigere Kandidaten. Die ersten Zwiebeln zeigen sich - noch zaghafte Lichtblicke zukünftiger Eleganz.

- Die Entwicklung der blau-weiß-gelben Variante verläuft weniger dynamisch. Dies betrifft vor allem den gesäten Blauen Lein und Wiesenschlüsselblumen, die im 1. Jahr noch nicht blühen. Die gepflanzten Stauden brauchen zur Entfaltung naturgemäß länger. Allerdings zeigen auch sie sich schon vielversprechend.

- Mit angesätem Steppensalbei jedoch, hier Salvia nemorosa var. tesquicola, prägt zunächst die Einsaat den Aspekt - aufgenommen Ende September, also rund 6 Monate nach Bepflanzung und Einsaat.

- Im 2. Jahr zeigt sich dann die Einsaat des Blauen Lein mit überzeugender Pracht.

- Traubenhyazinthen blühen schon im März und April.

- Wildtulpen verschönern dafür April und Mai.

- Die angesäten Leinkräuter zaubern Luftigkeit über die Pflanzung.
Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 3. Jahr
Wir beginnen zu ahnen, welche Bilder wir dereinst ernten dürfen. Denn ab diesem Jahr ist die heimische Mischpflanzung bildschön. Nicht nur die restlichen, langsamer gekeimten Ansaaten kommen in Blüte, sondern auch Zwiebeln und Knollen verstecken sich nicht mehr. Und die gepflanzten Stauden? Ja, auch die stehen dem nicht nach und werden bildschön.

- Die Frühlingszwiebeln treten schon stärker in Sicht. Traubenhyazinthen, Wildtulpen und mehr.

- Auch Blaue Anemonen beginnen mit der Ausbreitung.

- Eingesäte Stauden wie Steppensalbei mischen sich unter die gepflanzten, dazu überzeugen Kleingehölze wie Färberginster.

- Die Gräser kommen im Juli: Wimperperlgras als Schleier für Goldschafgarben.

- Und im September die Herbstaster Dr. Otto Petschek.
Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 4. Jahr
Immer mehr zeigen sich die Auswirkungen von Standort und Pflege auf die Pflanzengemeinschaft. Vom ursprünglichen Artenspektrum sind maximal noch 2/3 vorhanden, der Rest hat sich woanders hin verkrümelt oder ist schlichtweg verschwunden. Immer klarer wird, wie wichtig Fortbestand und Selbsterneuerung der Arten sind. Nur nachhaltige Arten und Sorten haben Zukunft!

- Die angesäten Schlüsselbliumen und die gesteckten Zwiebeln machen das Frühjahr gelb, blau und weiß.

- Blauminzen, Zypressenwolfsmilch und Genfer Günsel breiten sich aus.

- Die Lücken sind inzwischen geschlossen. Ein dynamisches Bild mit Mosaikstrukturen.

- Immer noch sind Ansaaten bestimmend, hier Blauer Lein und Steppensalbei.
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Flächengrößen
Die Vorschläge beziehen sich auf eine Fläche von je 100 m². Bei kleineren Flächen muss man die Stückzahlen entsprechend herunter rechnen. Um ein repräsentatives Spektrum zu erhalten, sollte man aber wenigstens 20 m² haben. Kleinere Flächen sind natürlich möglich, aber nicht mehr so aussagekräftig, da einzelne Arten hier stärkeren Einfluss gewinnen können. Durchschnittlich gehen wir von einer Pflanzdichte von 5-6 Stauden/m² aus. Ist das Budget geringer, kann man auch auf 4 Stück/m reduzieren, da die zusätzlichen Ansaaten die Lücken schnell schließen werden.
Pflanzung

- Anfang März 2008 wurden die ersten Naturgarten-Blütensteppen auf Rüsselheimer Verkehrinseln angelegt. Hier Mitarbeiter der Städtischen Betriebshöfe beim Pflanzen.

- Hier eine frisch bepflanzte Mischpflanzung 2008 in Oberbayern.
Die Stauden sind eingeteilt nach Wuchsformen. Jede Mischung enthält etwa
15 % Gerüstbildner
25 % Begleitstauden
10 % Füllpflanzen und
50 % Bodendecker
Ist die Fläche pflanzfertig, beginnt man die Stauden auszulegen. Dabei geht man nach der obigen Reihenfolge vor.
1. Gerüstbildner werden zuerst einzeln oder bei genügend großen Flächen (ab 100 m²) in kleinen Trupps von 2-3 Stück verteilt.
2. Begleitstauden werden anschließend um diese Gerüstbilder in kleinen Trupps von 2-5 Stück verteilt
3. Füllpflanzen kommen in größeren Trupps von 5-8 Stück in die Lücken.
4. Bodendecker füllen die noch freien Zwischenräume auf. Hier können sich kleinere oder größere Trupps von 5-15 Stück ergeben.
5. Vor dem endgültigen Einpflanzen wird die Fläche noch einmal kontrolliert, ob alle Stauden in etwa gleichem Abstand untereinander stehen. Er beträgt je nach Pflanzdichte von Staude zu Staude 20-40 cm.
6. Jetzt wird unkrautfrei gepflanzt, d.h. der Unkrautbewuchs vom Ballen muss entfernt werden. Stauden 2-3 cm tiefer setzen als das Substrat und oben gut mit dem Substrat mulchen, da das Substrat noch sacken wird, ansonsten stehen die Ballen heraus und vertrocknen.
Ansaaten - ein neues Prinzip
Ansaaten sind eine Besonderheit der heimischen Mischpflanzungen. Sie ergänzen das Spektrum der Staudenarten und sparen Geld, da die Lücken zwischen den Stauden größer ausfallen können. Außerdem schließen viele der Aussaaten schneller die Fläche als eine reine Staudenpflanzung, was pflegeleichter und nachhaltiger ist.
Direkt nach der Pflanzung kann das Saatgut verdünnt mit Kompost oder Sand breitwürfig und kreuzweise ausgestreut werden. Danach die Fläche noch einmal oberflächig glattrechen. fertig. Im Garten kann man 6 Wochen wässern, was die Keimung des Saatgutes optimiert, im öffentlichen Bereich ist Wässern unnötig.
Manche Anssaaten wie das einjährige Nelkenleimkraut oder die Pionierstauden Wildes Löwenmaul oder Kriechendes Leinkraut sind schnelllebig und vorübergehend, andere brauchen länger und etablieren sich dafür dauerhaft. Hierzu zählen Steppensalbei oder Wiesenschlüsselblumen. In jedem Falle aber sind sie eine inzwischen unverzichtbare Bereicherung heimischer Mischpflanzungen geworden.
Gehölze
Nach Lust und Laune können auch Kleingehölze oder naturnahe Rosen in solche Pflanzungen integriert werden.
Erste Erfahrungen

- Anfang März 2008 wurden die ersten Naturgarten-Blütensteppen auf Rüsselheimer Verkehrinseln angelegt. Hier Mitarbeiter der Städtischen Betriebshöfe beim Pflanzen.

- Hier eine frisch bepflanzte Mischpflanzung 2008 in Oberbayern.
Vergleich nichtheimische-heimische Mischpflanzungen
Im direkten ästhetischen Vergleich punkten nichtheimische und heimische Mischpflanzungen von Frühling bis Frühsommer etwa gleich gut. Danach sehen nichtheimische Mischpflanzungen, vor allem nach dem Hochsommer, meist besser aus, da sie attraktivere Sorten auch von Spätsommer- und Herbstblühern erhalten. Dies kann zumindest teilweise durch eine Hochsommermahd bei den heimischen Mischungen vermindert werden.
Nachhaltige erste Erfahrungen
Seit Veröffentlichung im Jahr 2008 wurden die beiden Mischpflanzungen in allen Varianten (nur heimisch oder heimisch mit Sorten) an verschiedensten Standorten in Hessen, Berlin und Bayern gepflanzt. Aus diesen Pilotprokten gewonnenen Erkennisse gingen sofort in die Artenlisten ein, die ständig verändert und weiter entwickelt wurden.
Nichtheimische Staudenmischpflanzungen zeichnen sich durch größere Einheitlichkeit und Vorhersagbarkeit aus. Sie kommen in der Regel genau so, wie bestellt und gepflanzt. Doch weil viele Sorten nicht so fertil sind, um sich ausreichend reproduzieren zu können, weil sie stärker altern und einige Kulturarten/Sorten ausfallen, nimmt ihre Qualität und Schönheit mit den Jahren ab. Das ist ein Nachteil.
Bei heimischen Mischpflanzungen ist das geradezu gegenteilig. Sie zeigten sich an keinem der Standorte gleich. Individuelle Unterschiede der Pflanzengruppierung, der Böden und auch der Pflege führten trotz gleicher Ausgangsbasis sehr schnell zu unterschiedlichen Ergebnissen. Jeder Standort entfaltete sein eigenes Bild. Dies wurde besonders durch die Einsaaten von Einjährigen und Stauden in die Pflanzlücken bedingt, die eine große anfängliche Schönheit und erlebbare Dynamik in die heimischen Mischpflanzungen bringen. Durch sie und die Aussaat und Verbreitung der fertilen gepflanzten Stauden, aber auch durch die Sukzession der ganzen Pflanzengemeinschaft veränderte sich das Bild noch stärker. Keine Mischpflanzung ist bei identischer Anfangsrezeptur einer anderen vergleichbar. Das ist kein Nachteil, sondern ein großer Vorteil, da die heimischen Stauden in der Lage sind, sich eigenständig zu vermehren und so eine jeweils standortspezifische Entwicklung nehmen. Wir halten fest: Heimische Mischpflanzungen sind anpassungsfähiger und entwickeln sich vielfältiger als nichtheimische!
Wiewohl diese Erkenntnisse noch temporär und vorläufig sind, wird folgendes für die Zukunft erwartet: Heimische Mischpflanzungen sollten in Bezug auf Nachhaltigkeit besser abschneiden als nichtheimische Pflanzungen, von denen manche aus ästhetischen Gründen nach einigen Jahren schon wieder neu angelegt werden müssen. Aus den hier vorgestellten Mischungen können sich bei guter Pflege hingegen langfristig erfolgreiche, kosten- und zeitsparende Trockenstandorte entwickeln. Bei schlechter Pflege haben sie die Chance ausdauernde, stabile Blumenwiesen zu werden.
Bezugsquellen
Es wird nicht in jedem Fall möglich sein, alle bezeichneten Arten oder Sorten zu beschaffen. Das öffnet Raum für planerische Kreativität. Die rein heimischen Varianten gibt es bei gut sortierten Wildpflanzengärtnern in Bioqualität unter den Fachbetrieben für naturnahes Grün www.naturgarten-fachbetriebe.de, etwa der Wildpflanzengärtnerei Strickler. www.gaertnerei-strickler.de oder Gaissmayer www.staudengaissmayer.de. Andere Mitgliedsfirmen des Naturgarten e.V. www.naturgarten.org haben sich eher auf Sorten spezialisiert wie z.B. Foerster-Stauden www.foerster-stauden.de, Tangermann www.tangermann-stauden.de oder sogar - bio- Gaissmayer www.staudengaissmayer.de. Inzwischen bietet Michael Simonsen fertige Pakete der Varianten mit Sorten an, die nach Quadratmetern bestellt werden können www.durchgeblueht.de. Heimisches Saatgut gibt es etwa bei Hof Berggarten www.hof-berggarten.de oder Rieger-Hofmann www.rieger-hofmann.de, Saatgut von Sorten bei Jelitto-Staudensamen www.jelitto.com.
Danksagung
Für die Beratung bei der Konzeption der Mischungen bedanke ich mich bei
- Cassian Schmidt und Till Hofmann vom Schau- und Sichtungsgarten Hermanshof in Weinheim
- Martina Föhn von der Hochschule Wädenswil
- Fachbetrieb für Naturnahe Grünplanung Thomas Pecher aus Waldkraiburg
Des weiteren gebührt Dank für Kooperation und Hilfe an
- Prof. Dr. Wolfram Kircher von der Fachhochschule Bernburg
- Dr. Philipp Schönfeld von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim
Autor des Beitrages
Dr. Reinhard Witt
Fachbetrieb für naturnahe Grünplanung-empfohlen von Bioland
www.naturgarten-fachbetriebe.de
Literatur
¹ Henning Haeupler und Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild. 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart 2007.
² Reinhard Witt: Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten. Kräuter. Stauden und Sträucher. Für Jahrzehnte erfolgreich gärtnern. Naturgarten Verlag, Ottenhofen 2008.







