NaturErlebnisSpielplatz Tiengemeten

Adresse

Rheininsel Tiengemeten
Nieuwendijk 1
NL 3284 KR Zuid-Beijerland

 

Ansprechpartner für Infos und Führungen

AARDRIJK
Sigrun Lobst
Van Cittersstraat 46A
NL 3022 LL Rotterdam
Tel:0031 (0)10-437 22 78
Mob: 0031 (0)6 18014237

  • Baujahr 2011/12
  • Grösse 45.000 m²
  • Kosten pro m² 22 Euro
  • 2300 Gehölze in über 50 Gehölzarten
  • 78 einzeln gesäte Wildstaudenarten
  • 6 gesäte Blumenwiesen und Säume

Projektleitung

Sigrun Lobst (Rotterdam)

Projektmitarbeit

Naturgarten-Profi-Praktikanten: Ina Blum (Norden), Klaus Sawetzki (Wuppertal), Alexander Phillips (Stuttgart) und viele, viele mehr

Pflanzenplanung

Sigrun Lobst (Rotterdam), Dr. Reinhard Witt (Ottenhofen)

Besonderheit

Europas größer Natur-Erlebnis-Raum, Brunnen, Bachläufe mit Kriechtunnel, Wasserspielgelände mit Inseln und Brücken, Wassergräben, Sandmatschbereich, Weidenbauten, Irrgarten, Blumenwiesen, Wildblumensäume

 

Größer Natur-Erlebnis-Spielplatz Europas

In der 3. Auflage von meinem Buch  Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten (Februar 2012) schrieb ich, dass dieses Projekt 1,5 Hektar groß sei. Das ist falsch! Und zwar sowas von! In Wirklichkeit konnte ich mir das einfach nicht vorstellen: Aber es ist wirklich noch größer, nämlich 4,5 Hektar und damit der größte Natur-Erlebnis-Spielplatz Hollands und Europas. Er geht bis zum Horizont, so groß ist er, und das in einem Land, wo der Horizont natürlicherweise fern ist. Geplant wurde er von der deutschen Landschaftsarchitektin Sigrun Lobst, die seit 15 Jahren in Rotterdam arbeitet. Ein grandioses, geniales Werk, ein Meisterstück. Die Landschaft bekommt hier spielerisch harmonische Formen. Wasserläufe, typisch für Holland, begleiten und prägen diesen Spielplatz, sie sind breit wie ein kleiner Fluss und doch nicht tief. An ihren Rändern liegen flache Ufer, die zum Baden einladen, zum Schmotkern, Rumbatzen, Matschen, zum Springen, Fühlen, Fassen und Entdecken. Die Kleinkinderinsel hat das flachste Wasser, gedacht ist sie mit Schattenbäumen und Weidenhütten für ganze Familienclans. Aus einem Basalthügel entspringt ein munteres Bächlein, das in zwei Richtungen fließt. Ein großer Teil des Aushubes verschwand in einem 8 m hohen Aussichtsberg, der von vier Menhiren geprägt wird, Stonehenge lässt grüßen. Ein Tingplatz. Auf ihm blickt der besuchende Mensch zum ersten Mal über den Deich in die Naturschutzgebiete der Insel mit Wildgänsen, Austernfischern, Kampfläufern und schottischen Highländern, allein das wäre eine Reise wert. Alles hat Riesendimensionen hier: Insgesamt wurden 2300 Gehölze gesetzt. Und jetzt also Wildstauden pflanzen? Rechnen wir nur 1/m², so kämen wir auf 45.000 Stück, unmöglich: arbeits- und kostenmäßig. Also Einsaaten. Zusammen mit Reinhard Witt konzipierte Sigrun Lobst artenreiche Einsaaten, denn so was hatte vorher noch keiner gemacht: Blumenwiesen der verschiedensten Typen, dazu Wildblumensäume und Hochstaudenfluren. Nicht vergessen die 93 Einzelarten, die das Gelände schmücken und verzaubern werden. Alles in allem regionales Saatgut, schließlich ist es ein Vorzeige-Naturschutzprojekt. In einem viertägigen Workshop wurde das Areal dann im März 2012 mit 10 Leuten besät: Das war echte Arbeit. Allein für den größten Hang mussten 14 Schubkarren Sand mit Saatgut vermischt werden. Und dann kilometerweit ausgestreut. Soweit die Füße tragen. 42 kg Saat-Gut! Für rund € 10.000! Macht hochgerechnet 45 Millionen Keimlinge. Tiengemeten gehört der niederländischen Naturschutzorganisation Naturmonumenten. Ein Experiment: Erstmalig wird ein konsequent mit heimischen Pflanzen ausgestatteter Naturspielraum dauerhaft übers Jahr von Ehrenamtlichen betreut. Und er wird Eintritt kosten. Im Südwesten Rotterdams gelegen, lockt er gewiss Besucher in Scharen, die mit der Fähre übersetzen und eine schöne neue Welt entdecken. So wie sie es noch nie in ihrem Leben gesehen haben. Dieses Projekt ist einmalig. Das haben Sie noch nie im Leben gesehen? Sie können sich bestimmt nicht vorstellen, wie groß 1,5 Hektar sind als Spielplatz. Aber erst 4,5 Hektar? Wann fahren Sie hin?

Eine wahnsinnig große Fläche

Unfassbar ist die Weite des Geländes. Man läuft sich die Füße platt. Die meisten Menschen wären überfordert, sich aus einer grünen Wiese ein kreatives, strukturiertes und wildpflanzenreiches Spielgelände vorzustellen. Sigrun Lobst hat das spielerisch geschafft. Und auch, den Plan in Wirklichkeit umzusetzen. Man kann es nicht wirklich fotografieren, dennoch einige Eindrücke.

Die Meisterplanerin vor ihrem Werk.
Vorher nur: platte Wiese, artenarmes Grasland.
Es entstehen zahllose Wasserläufe.
Blick über das zukünftige Weidenlabyrinth.
Bald fließt hier Wasser.
Wir befinden uns auf dem Holzweg.
Insellösung.
Flachufer für Kleinkinder.

Saatgut-Workshop und Praxis

Im März 2012 dann ein viertägiger Workshop von Sigrun Lobst und Reinhard Witt zur Planung und Verwendung von Wildblumensaatgut. Wie macht man das? Was nimmt man? Was ist geeignet? Was kann man miteinder kombinieren? Was keinesfalls? Welche Einzelarten? Welche Mischungen? Welche Einzelarten sollten nicht in der Mischung sein? Wie sät man ein? Wie wird das mal ausäe(eh)n? 

Die 17 Workshop-Teilnehmer aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden erkunden das Gelände. Langer Marsch! Gewaltige Eindrücke!
Dann die Planungsaufgabe. Wir säen das Gelände ein! Wie?
Uffh! Reinhard Witt versucht einen Überblick über das Gelände zu kriegen. Ziemlich herausfordernd!
42 kg Saatgut aus regionaler Produktion für € 10.000 liegen hier auf dem Tisch!
Dutzende Freiwillige hacken hektarweise den Boden auf, damit die wertvollen Körner nicht weggeschwemmt werden. Schweißtreibend. Andauernd!
Einsäen will gelernt sein. Wie wirft man am besten? Wie gegen den Nordseewind? Wie mit ihm? Wie weit komme ich mit einer Schale? Wie mit einer Schubkarre Saatgut? Wieviel Verdünnung benötige ich? Gar nicht so einfach, was ja auch nicht so aussieht.
Planer Lobst und Witt markieren die einzelnen Areale für bestimmtes Saatgut. Das hat einige Farbdosen gebraucht.

Kinder und Blumen

Blumenkinder. Tiengemeten ist längst kein Geheimtipp mehr. Heerscharen von Familien pilgern dort hin. Wo sonst in einem derart artifiziellen Land kann man so viel Natur konzentriert erleben? Darin spielen? Mit heimischen Wildpflanzen! Mit diesem Natur-Erlebnis-Spielplatz ist gleichzeitig eine neue Idee geboren. Denn er kostet Eintritt und wird ständig betreut. Das schönste: An manchen Wochenenden sind über 1000 Besucher da. Man merkt sie nicht. Sie verlieren sich in der Weite des Geländes. Oder verstecken sie sich zwischen Blumen? Wir wissen das nicht. Genießen Sie die Eindrücke vom ersten Jahr. Freuen Sie sich mit uns allen, dass es so gut geworden ist und so gut angenommen wurde. 

Freies Spiel im März: Kinder sind Natur. Kinder wollen Natur. Kinder brauchen Natur.
Schlamm hilft die Klarheit der Gedanken für später zu finden.
Dreieinhalb Monate nach Einsaatende, im Juli 2012, beginnt die Blütenwelle zu rollen. Ein bunter Teppich mit Blumenmustern verschiedenster Art, hektarweise.
Platz zu erobern. Wo sind die Ritter? Die Burgfräulein? Die Gefangenen? Wo ist die Kindheit? Hier spielt sie ihr Leben.
Wegrandweiden als Schutzmantel für Blumenbunt.
Pilgerstätte für Familien.
Jeder findet seinen Platz. Und mancher Erwachsene kommt zur Ruhe.
Die Kids finden auch was. Keine Games, keine Playstation, keine Glotze. Pure Natur. Sich.
Baum im oder am Wasser? Kinder drauf. Hoch. Runter. Müde. Spaß. Gefahr. Erfahrung. Geschicklichkeit. Angst. Mut. Schmerz. Lust. Weinen. Abenteuer. Begegnung. Begreifen.
Nicht müssen müssen. Dürfen können. Nicht haben wollen. Nur sein. Inneres aus sich bringen. Blumen pflücken. Bilder sammeln. In Farben schwelgen.

Tiengemeten im zweiten Blütenjahr

Das Konzept geht auf. Tiengemeten zieht Besucher, vor allem Kinder, in seinen Bann. Die Besucherzahlen steigen auf inzwischen auf mehr als 8000 im Jahr. Kein schlechter Anfang. Die Kinder haben einen Riesenspaß und die Blumen auch. Was wollen Sie zuerst sehen? Na gut, also Kinder. 

Da hätten wir das erste: Einsam und allein, ein Kind, muss es über einen Baumstamm. Wer hat den denn da so blöd hingelegt? Gibt es hier keine Brücke mit Geländer? Aus dem Spielgerätekatalog? Für 10.000 Euro? So ein Mist!
Also Kinder! Scheinen sich wohlzufühlen. Was machen die denn da überhaupt? Wir gehen mal näher ran?
Spielen natürlich. Ohne Gamboy und Iphone spielt es sich nun mal anders, die armen Klamotten! Bzw. Mütter. Doch die, erstaunlich, lieben ihre Kinder. Genau so!
Scheinen sich auch gar nicht für die Blumen überall zu interessieren. Peinlich für die Planer! Aber das interessiert uns Planer doch nicht. Hauptsache Wildblumen! Das interessiert nämlich Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co, deren Lebensmöglichkeiten radikal geschrumpft sind die letzten Jahre. Apropos Blumen, noch ein Blick dahin.
Vor den Blumen kommt aber noch der Baum der Erkenntnis, den Kinder betreuen. Da hängen all die im Schlamm stecken gebliebenen Schuhe. Wir erkennen, es geht auch ohne. Sogar nach Hause.
Jetzt aber: Blumen. Wildblumen. Das Gelände hat sich grundsätzlich verändert. Im Kleinkinderspielbereich: alles gelb von Hornklee und Färberkamille, eingesäten Einzelarten. Ein Traum für Bläulinge, die gut zum holländischen Himmel passen. Und jetzt endlich da sind.
Ansonsten: Blumen millionenfach. Die eingesäten Säume und Blumenwiesen und Blumenrasen zaubern etwas heraus aus diesem Land: Schönheit, Wildnis, Natur. Lebensvielfalt.
Der Streifzug durch Gelände eröffnet uns Naturschönheit tausendfach: Ein Blumenwiesenaugenblickchen.
Leisten wir uns zum Schluss noch einen Blick übers Gelände und vergleichen den mit dem vom ersten Jahr. Unglaublich!