Stuttgarts Villa Reizenstein

Wild? Ja! Pflanzen? Ja! Schön? Nein! Die Situation vorher: ein verwildertes Terrain.
Perfekte Durchführung der Umgestaltung durch den Bereich Parkpflege der Wilhelma im Mai 2012.
Kaja Siegmann verschafft sich einen Überblick über die Staudenvielfalt.
Reinhard Witt beim Pflanzen ausstellen. Kreative Arbeit in einer Lernbaustelle mit allen!
Und schon wird gepflanzt. Das sieht ja jetzt schon gut aus!
Die Wasserpflanzung erfordert vom Klaus Huber spezielles Fingerspitzengefühl. Man sieht nichts.
Mischungen und Einzelarten werden nach der Pflanzung von Katja Siegmann ausgesät.
Martin Klatt vom NABU Stuttgart walzt an. Nein er macht nichts platt, genau so muss das sein.

Daten und Maßnahmen

Fläche: 380 m²

Wildstauden: 1600

Zwiebeln: 6760

Es wurden auf verschiedenen unkrautfreien Substraten unterschiedliche Blumenwiesentypen, Wildblumensäume und Staudenbereiche angelegt. Dazwischen Ansaaten mit Einzelarten. Außerdem ein Naturteich mit Wasserfall, Feuchtwiese, Ufersaum und Flach- und Tiefwasserzonen.

Projektkoordination und Planung

Micha Sonnenfroh und Katja Siegmann

Fachbereichsleitung Parkpflege, Wilhelma, Stuttgart

Organisation vor Ort

Peter Rommel, Staatministerium

Katja Siegmann und Klaus Huber, Wilhelma

Projektberatung

Dr. Martin Klatt, NABU, Stuttgart

Dr. Reinhard Witt, Ottenhofen

Dinge ändern sich. Und wenn sich etwas ändert, sollte dies auch sichtbar sein. Naturnah ist inzwischen in aller Munde, aber an der Umsetzung fehlte es bislang vielerorts. Baden-Württemberg stellte in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Bis, ja, bis auf die Landtagswahl im März 2011, die einen grünen Ministerpräsidenten als neuen Regierungschef in die Villa Reitzenstein in Stuttgart einziehen ließ.

Von wo sollte nun ein besseres Signal des Umdenken, besser Umschwenkens ausgehen als vom Amtssitz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, der gleichzeitig das Staatministeriums beheimatet. So jedenfalls dachten es sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Dr. Andre Baumann, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Das Signal sollte von ganz oben kommen, von jenem weithin sichtbaren Hügel oberhalb Stuttgarts. Artenschutz auf höchster Ebene. Wildpflanzen im öffentlichen Grün ganz oben.

Im Frühsommer 2011 wurde deshalb auf Basis des bereits im Entwurf vorliegenden Pflegekonzeptes des Fachbereiches Parkpflege der Wilhelma vorbereitende Gespräche mit Herrn Klatt vom NABU und den Ansprechpartnern der Wilhelma, Micha Sonnenfroh und Katja Siegmann, geführt. Potential für naturnahe Umgestaltungen wurde vor allem im Bereich des Teiches am Tempieto gesehen. Hier sollten durch eine größere Biotopvielfalt neue Lebensbereiche für Flora und Fauna geschaffen und damit die Basis für eine größtmögliche Artenvielfalt und Biodiversität gelegt werden. Berücksichtigt werden sollten dabei auch Pflanzen und Tiere des 111-Artenkorbs der Landesregierung. Durch eine moderate und sensible Umgestaltung sollte das Artenpotential und der ökologische Wert der umgestalteten Bereiche erheblich erhöht werden.

In der Folge führte die Wilhelma die Detailplanung mit dem beratend hinzugezogenen Fachbetrieb für naturnahe Grünplanung, Reinhard Witt, aus. Als Schwerpunkte der fachlichen Beratung wurde die Optimierung der Pflanzenzusammensetzung gerade unter nachhaltigen Gesichtspunkten und der Substratwahl gesehen. In die konkrete Umsetzungsplanung sollten zudem die fundierten Erfahrungen von Reinhard Witt bei vergleichbaren Projekten einfließen. Im Mai 2012 wurden nach dem gelungenen Umbau des Geländes die Pflanzungen und Ansaaten mit heimischen Wildpflanzen in einer Lernbaustelle umgesetzt. Im Herbst sollen  umfangreiche Zwiebelpflanzungen folgen.

Die Natur wartete  indes nicht. Noch während des Umbaus laichten Erdkröten im Teich und dutzende Bergmolche zogen ein. Naturschutz von ganz unten, die Natur hatte sich schon längst für den Umbau der Grünflächen entschieden. Und wie sagte Ministerpräsident Kretschmann in der Fernsehsendung Heute Nacht vom 13. August 2012 beim Gang durchs Areal so treffend: "Wir sind nicht nur für unsere Mitmenschen, sondern für alle Mitgeschöpfe verantwortlich."

Fertig

Im Rekordtempo wurden Pflanzung und Ansaaten in den Boden gebracht. Ab jetzt darf es wachsen. Wird es blühen? Schön sein? Liebe Leute, haben Sie allen Glauben an das Gute verloren. Natürlich wird es! Und wie! Wir werden das beweisen. Hier auf dieser Seite. 

Zur Freude aller wurde das Pilotprojekt im Stuttgarter Grün bis zur letzten Pflanze in Rekordzeit durchgeführt. Viele Hände haben hier mitgeholfen. Dank ihnen allen.
Nun denn, hier ist der Beweis: Es blüht schon Anfang August fantastisch. Alle sind begeistert. Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg.
"Ich freue mich auf Wildbiene, Zauneidechse, Ringelnatter und Co. Der Park der Villa Reitzenstein ist wirklich ein Kleinod und die Neuanlage des Teiches sehr gelungen. Sicher werden sich hier zukünftig Mensch, Tier und Pflanzen sehr wohlfühlen", sagte Ministerpäsident Winfrid Kretschmann am 8. August 2012 - hier mit Nabu-Vorsitzendem André Baumann und Planerin Katja Siegmann von der Wilhelma. Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg.
Von Katja Siegmann stammen die Bilder von 2013: Stimmungsvolle Kuckuckslichtnelke als Einzelansaat vor dem Tempieto.
Die Salbei-Glatthafer-Wildblumenwiese macht ihrem Namen alle Ehre.
Der Bachlauf plätschert inmitten natürlicher Bewuchses.
Und selbst die Trockenstandorte sind perfekt gelungen, hier blüht gerade Bergsteinkraut. Dank an die Fotografin!