Staudenmischpflanzungen -der neue Trend - Nachmachen erwünscht

Staudenmischpflanzungen...

In den letzten Jahren entwickelten sich im öffentlichen Grün neue Tendenzen. Viele Kommunen nahmen mit großer Begeisterung die von verschiedenen Fachhochschulen entwickelten Staudenmischpflanzungen auf. Das ist zu begrüßen, denn gerade im öffentlichen Grün befinden sich artenreiche und ästhetisch ansprechende Staudenpflanzungen seit Jahrzehnten auf dem Rückzug. Genauso gut eignen sich solche Rezepte aber auch für den eigenen Garten.

 

Das neue Konzept sieht für unkrautfreie Flächen eine bunte Mischung verschiedenster Stauden vor. Es handelt sich um durchdachte Rezepte, die unabhängig von der Fläche umgesetzt werden können.

Vorteile sind

  •  unkompliziert in Planung und Pflanzung 
  • attraktiv und langblühend durch Zwiebeln und Stauden
  • gegenüber herkömmlichen Staudenpflanzungen kostengünstiger
  • einfache Pflege durch Mähen einmal im Jahr
  • wesentlich längere Haltbarkeit als konventionelle Beete.

 

Staudenmischpflanzungen, man sieht sie vielerorts - liegen im Trend. Das Problem besteht eher in der Auswahl, denn das Angebot ist schon fast unüberschaubar. Zur Zeit existieren über 40 verschiedene Mischpflanzungen fürs öffentliche und private Grün. Einen Überblick gibt u.a. die Seite www.staudenverwendung.de oder auch www.durchgeblueht.de.  Bei den Naturgartentagen 2008 im hessischen Grünberg stellte Prof. Dr. Wolfram Kircher von der Fachhochschule Bernburg in Sachsen-Anhalt als einer der Pioniere verschiedene Mischungen vor. Es zeigte sich, dass es zwar sehr viele Zusammenstellungen mit exotischen, nicht-heimischen Arten gibt, aber momentan nahezu keine heimischen mehr im Gebrauch sind. Die wenigen von Prof. Kircher entwickelten Mischungen mit heimischen Arten bezogen sich speziell auf den östlichen Harz, sind also zu regional zugeschnitten. Deshalb wird hier mit zwei neuen heimischen Mischpflanzungen für das ganze Bundesgebiet ein zweiter Anfang gemacht.

...mit Schwerpunkt heimischer Arten

Die hier vorgestellten Zusammenstellungen der Naturgarten-Blütensteppe schließen eine Lücke im Bereich der sehr bewährten Mischpflanzungen wie Silbersommer, Perennemix, Wädenswiler Mischungen, etc. Sie legen den Schwerpunkt auf heimische Arten und bringen die gegenwärtigen Forschungen und Erkenntnisse auf den aktuellen Stand. Sie werden in zwei Farbkompositionen angeboten: Schwerpunkt mit den Blütenfarben

  • rot und weiß
  • blau, weiß und gelb

Beides gibt es noch dazu in zwei Varianten. Je nach persönlicher Ausrichtung kann dabei die rein heimische Variante oder die mit Sorten gewählt werden. So lassen sich trotz verschiedener Ansatzpunkte, Anschauungen und Meinungen heimische Zusammenstellungen finden. Sowohl für "reine" Naturgärtner als auch für "konventionelle" Staudengärtner besteht hiermit ein attraktives Angebot. Verbesserungsvorschläge und regionale Anpassungen sind erwünscht und nötig. Auch werden nicht in jedem Fall alle der Arten zu bekommen sein. Es ist Ziel dieser Veröffentlichung, dass möglichst viele Institutionen, Kommunen und Privatleute diese Vorschläge in der Praxis ausprobieren. Rückmeldungen dazu bitte direkt an Reinhard Witt. Die Pflanzvorschläge werden Jahr für Jahr mit den neu gewonnenen Praxisergebnissen aktualisiert.  Auf meiner Webseite www.reinhard-witt.de ist immer der jeweils gültige Stand zu finden.

Prinzipien heimischer Mischpflanzungen

1.    Schwerpunkt heimische Arten. Als Maßgabe dient der aktuelle Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (Haeupler/Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands, Ulmer 2007). Das Hauptgewicht liegt auf indigenen und archäophytischen Arten, daneben kommen auch neophytische Arten zum Zuge, aber keine potentiell invasorischen.
2.    Die Grundkonzeption sind bei uns wachsende Arten ohne Sorten. Sorten von hiesigen Wildpflanzen können aus ästhetischen Gründen verwendet werden, sofern es sich um fertile, genetisch durch Aussaat sich vermehrende Arten handelt, also Mutationen von hiesigen Wildarten.
3.    Maximal 10 % fremde Arten. Aus Gründen der Struktur und Textur der Pflanzung sind wenige, nicht-invasorische Arten angebracht. Es wird aber für diese möglicher hiesiger Ersatz genannt.
4.    Gleichzeitig Pflanzungen und Ansaaten. Die Substrate werden so gebaut, dass gleichzeitig Ansaaten von Pionierarten (Ein-, Zweijährige) und Stauden in den Lücken möglich sind.
5.    Das Prinzip Nachhaltigkeit mit entsprechenden Pflanzungen und Ansaaten (Reinhard Witt: Nachhaltige Pflanzungen udn Ansaaten. Naturgarten 2012) wird angestrebt. Die verwendeten Arten sollen sich vegetativ oder generativ vermehren können, um über möglichst lange Zeiträume erfolgreiche, ästhetisch ansprechende, kostengünstige und pflegeleichte Mischpflanzungen zu ergeben.

Substrate für die Naturgarten-Blütensteppe

Grundvoraussetzung sind unkrautfreie Substrate ohne Wurzelunkräuter. Beide Pflanzvorschläge benötigen Trockenstandorte, die besonders schönblütig und pflegeleicht sind, was gerade im öffentlichen Bereich oft vorkommt.

Beide Mischungen sind für magere. trockene Standorte konzipiert, z.B. für Verkehrsinseln, Strassenränder und ähnliche mineralische oder Rohbodenstandorte. Oft sind solche Standorte bauseits durch den Wegebau bereits vorhanden, wodurch folglich keine zusätzlichen Maßnahmen getroffen werden müssen, so dass Punkt 1+2 wegfallen. Immer aber auf unkrautfreie Böden achten, sonst funktionieren die Rezepte garantiert nicht.
1. Oberboden ca. 15-20 cm tief entfernen, dabei alle Wurzelunkräuter wie Quecke noch tiefer ausgraben und vollständig jäten.
2. Auffüllen durch 15-20 cm mineralische Baustoffe wie Kies, Schotter, Recyclingbruch. Wichtig für die Ansaat ist eine Korngrössenverteilung mit Nullanteil, etwa  0/22, 0/26 oder 0/32 mm. Auch Sand 0/4 mm ist geeignet, allerdings basieren die Vorschläge auf kalkreicheren Substraten. Es muss also ein kalkreicher Sand sein.  
3. Einarbeiten mit Rechen oder Misthacke von ca. 2 cm hygienisiertem Grünschnittkompost in die oberen 2-3 cm.
4. Bepflanzung und Einsaat mit den Naturgarten-Blütensteppe-Varianten.

Pflanzzeiten

Im Herbst werden die fehlenden Blumenzwiebeln gesteckt.

Man kann Staudenmischpflanzungen bei frostfreiem Boden das ganze Jahr über anlegen. Auch darf ganzjährig gesät werden. Optimale Zeitpunkte sind natürlich Frühling und Frühsommer, da sich hier sofort Erfolg zeigt. Zwiebeln werden im Herbst zwischen die Stauden gesteckt. Hierbei kann man einzelne Arten in kleinen Trupps lassen oder alles bunt mischen.

Pflege

Eine Hochsommermahd Ende Juli bringt eine schöne Zweitblüte ab September.
Die Mischpflanzung geht ungemäht in den Winter.
Die trockenen Stängel sind Lebenraum für Kleintiere, Vogelfutterplatz und außerdem ästhetisch ansprechend.

1. Falls möglich, die Ansaatflächen 6 Wochen feucht halten.
2. Trotz prinzipieller Unkrautfreiheit des Bodens sollten für die ersten 2-3 Jahre jährlich 2-3 Pflegegänge durchgeführt werden, um einfliegende Samenunkräuter oder übersehene Wurzelunkräuter von vornherein auszumerzen.
3. Die Mischungen müssen nur einmal jährlich mit Balken oder Fadenmäher gemäht (vorzugsweise im Spätwinter vor Beginn des Zwiebelaustriebes) werden. Das Mähgut darf  nicht liegen bleiben. Halbgehölze wie Salbeiarten sind von der Mahd auszusparen. Nur in schneereichen Regionen sollte eine Herbstmahd erfolgen, ansonsten ist der Winterstand der trockenen Stauden und Gräser bis zum Austrieb der Zwiebeln im Februar/März/April zu bevorzugen. Manche Kommunen mähen dennoch zweimal. Die Mahd Ende Juli sorgt für eine ansprechende Zweitblüte ab September, die zweite Mahd erfolgt dann zwischen Oktober und März/April.  

 

Zu den Artenlisten

Rot-weiße Naturgarten-Blütensteppe. Einfach auf diesen Text klicken.

Blau-weiß-gelbe Naturgarten-Blütensteppe. Einfach auf diesen Text klicken.

Entwicklung der rot-weißen Naturgarten-Blütensteppe im 1. und 2. Jahr

Im ersten Jahr bringen vor allem die Ansaaten die Optik. Hiervon ist der Schnellste das Wilde Löwenmaul, während Berglauch und Sandthymian als Langkeimer frühestens im kommenden Jahr blühen werden. Die gepflanzten Stauden und Gräser brauchen ebenfalls bis zum nächsten Jahr, bis sie sich öffentlichkeitswirksam entfalten können.  

Die Ansaat der Wildform des Löwenmauls färbt die Naturgarten-Blütensteppe bereits in 3 Monaten ein, das Foto zeigt den 4. Monat. Die gepflanzten Stauden leiden darunter aber nicht. Ein schneller, ein wunderschöner Erfolg. Dank heimischer Wildstauden.
Im zweiten Jahr gesellen sich zu den Ansaaten immer mehr blühende Stauden. Die Bodenfläche beginnt sich zu schließen.

Naturgarten-Blütensteppe rot-weiß im 3. Jahr

Das dritte Jahr bringt die gepflanzten Stauden mehr in den Vordergrund. Die eingesäten Pionierarten Nelkenleimkraut und Wildes Löwenmaul beginnen sich zurückzuziehen. Und allmählich breiten sich die Wildblumenzwiebeln aus. 

Im driiten Jahr prägen zwischen März und Mai die Zwiebeln das Bild. Ob Elfenkrokus...
... oder Wildtulpen, die Mischpflanzung bietet jeden Monat neue Überraschungen.
An anderer Stelle Graslilie, Gipskraut und Co.
An anderer Stelle Graslilie, Gipskraut und Co.
Typisch für die Artenzusammenstellung ist Bergminze, Dauer- und Spätblüher und erspürbare Duftpflanze dazu.
Eine großflächige Pflanzung von vielen tausend Quadratmetern in Berlin lässt die Qualität und Schönheit der Zusammenstellung erst zur Geltung kommen.

Naturgarten-Blütensteppe rot-weiß im 4. Jahr

Je nach Standort verbreiten sich die passenden Staudenarten, unpassende verschwinden. Lücken werden sogleich durch Selbstaussaat geschlossen. Trotz anfänglich gleicher Rezeptur sieht jede Fläche aus - eine Antwort natürlicher nachhaltiger Entwicklungsprozesse.

Ein harmonisches pflegeleichtes Bild. Die Lücken sind geschlossen durch natürliche Vermehrung und Aussaat der heimischen Wildpflanzen.
Bergminze gehört zu den Wildstauden, die sich gut aussäen und so für einen nachhaltigen Fortbestand sorgen.

Naturgarten-Blütensteppe rot-weiß im 5. und 6. Jahr

Es kehrt Stabilität ein, die Bilder verändern sich von Jahr zu Jahr nicht mehr so stark. Aber sie sind unglaublich schön. Sehen Sie selbst.

Spornblumen und Thymian prägen zu Sommeranfang das Geschehen.
Sechs Wochen später bilden Echter Gamander, Österreichischer Beifuß und Rosenmalven den Schwerkpunkt.

Entwicklung der blau-weiß-gelben Naturgarten-Blütensteppe im 1. und 2. Jahr

Auch hier prägen Ansaten das erste Jahr mehr als die langsameren Stauden. Von den drei gesäten Arten ist eine besonders schnell: Steppensalbei. Die ebenfalls gesäten Blauer Lein und Wiesenschlüsselblume sind bekanntlicherweise längerfristigere Kandidaten. Die ersten Zwiebeln zeigen sich - noch zaghafte Lichtblicke zukünftiger Eleganz.

Die Entwicklung der blau-weiß-gelben Variante verläuft weniger dynamisch. Dies betrifft vor allem den gesäten Blauen Lein und Wiesenschlüsselblumen, die im 1. Jahr noch nicht blühen. Die gepflanzten Stauden brauchen zur Entfaltung naturgemäß länger. Allerdings zeigen auch sie sich schon vielversprechend.
Mit angesätem Steppensalbei jedoch, hier Salvia nemorosa var. tesquicola, prägt zunächst die Einsaat den Aspekt - aufgenommen Ende September, also rund 6 Monate nach Bepflanzung und Einsaat.
Im 2. Jahr zeigt sich dann die Einsaat des Blauen Lein mit überzeugender Pracht.
Traubenhyazinthen blühen schon im März und April.
Wildtulpen verschönern dafür April und Mai.
Die angesäten Leinkräuter zaubern Luftigkeit über die Pflanzung.

Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 3. Jahr

Wir beginnen zu ahnen, welche Bilder wir dereinst ernten dürfen. Denn ab diesem Jahr ist die heimische Mischpflanzung bildschön. Nicht nur die restlichen, langsamer gekeimten Ansaaten kommen in Blüte, sondern auch Zwiebeln und Knollen verstecken sich nicht mehr. Und die gepflanzten Stauden? Ja, auch die stehen dem nicht nach und werden bildschön.

Die Frühlingszwiebeln treten schon stärker in Sicht. Traubenhyazinthen, Wildtulpen und mehr.
Auch Blaue Anemonen beginnen mit der Ausbreitung.
Eingesäte Stauden wie Steppensalbei mischen sich unter die gepflanzten, dazu überzeugen Kleingehölze wie Färberginster.
Die Gräser kommen im Juli: Wimperperlgras als Schleier für Goldschafgarben.
Und im September die Herbstaster Dr. Otto Petschek.
Die großflächige Anlage in Berlin trumpft bereits im dritten Jahr gewaltig auf. Es ist einfach nur schön.

Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 4. Jahr

Immer mehr zeigen sich die Auswirkungen von Standort und Pflege auf die Pflanzengemeinschaft. Vom ursprünglichen Artenspektrum sind maximal noch 2/3 vorhanden, der Rest hat sich woanders hin verkrümelt oder ist schlichtweg verschwunden. Immer klarer wird, wie wichtig Fortbestand und Selbsterneuerung der Arten sind. Nur nachhaltige Arten und Sorten haben Zukunft!

Die angesäten Schlüsselbliumen und die gesteckten Zwiebeln machen das Frühjahr gelb, blau und weiß.
Blauminzen, Zypressenwolfsmilch und Genfer Günsel breiten sich aus.
Die Lücken sind inzwischen geschlossen. Ein dynamisches Bild mit Mosaikstrukturen.
Immer noch sind Ansaaten bestimmend, hier Blauer Lein und Steppensalbei.

Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 5. und 6. Jahr

Es kehrt Ausgewogenheit und Ausgeglichenheit ein. Die Bilder ändern sich nicht mehr so stark.Durch die verscheidenen Standorte europaweit erkennen wir aber auch, wie unterschiedlich sich das Standardrezepte vor Ort ausformt. Das macht es spannend, am guten Grundrezept ändert das allerdings nichts. Gerade die Ansaaten sorgen für Dynamik.

Zypressenwolfsmilch breitet sich aus und verstärkt den Gelbaspekt.
Pfirsichglockenblumen prägen das Bild im Juni.
Erst Wochen verstärkt sicht das Gelb, hier mit Wildem Hornklee als Ersatz für den seinerzeit nicht lieferbaren Sichelklee.

Was man so alles falsch machen kann

Man glaubt es, kaum, was alles falsch gemacht wird, trotz extra Anleitung. Zum Lernen, nicht zum Aburteilen hier einige Fehler. Dazu bitte auf das Bild klicken.