Blumen statt Einheitsgrün

Lärmschutz wird immer wichtiger. Und immer öder werden die dazugehörigen technischen Konstrukte. Viel Wand. Viel Beton. Viel Metall. Oder Kunststoff. Und was die Bepflanzung angeht: Viel Exotik. Dabei ginge es auch einfacher und billiger. Mit heimischen Wildblumen. Und, wir würden gleichzeitig Lebensräume schaffen. Für Menschen wie Tiere... Also ab jetzt bitte naturnah:  Lärm- plus Naturschutz!

Das erste Blütenjahr

Die Gemeinde Ottenhofen schützte 2007 das Neubaugebiet Brunnenstraße mit einem 7 m hohen und 60 m langen Lärmschutzwall vor Verkehrslärm. Die innere Seite wurde konventionell nur mit exotischen Gehölzen und ohne Einsaaten begrünt. Die äußere Seite jedoch wurde naturnah: Neben heimischen Gehölzen erfolgten auf Kies Ansaaten verschiedenster Saummischungen. Das Ergebnis lässt sich sehen und wurde nebenbei zur Zweiheimat für Rebhuhn, Zauneidechse, Schachbrettfalter und Distelfink.

Der 7 m hohe und 60 m lange Wall zeigt die verschiedenen blühenden Saumansaaten.
Muskatellersalbei und Königskerzen am Ortsschild - welch ein Bild.
Blumen über Blumen - ein göttlicher Blick.
Die eingesäte Blumenseite rechts und die nicht eingesäte Exotenpflanzung links. Einige Blumen gelangten beim Aussähen mit auf die "falsche" Seite. Ein Gewinn.

Das zweite Blütenjahr

Einige der Mischungen sind besonders attraktiv. Hier wäre eine, die sich über all die Jahre bewährte.
Der Blick von oben bleibt schön. Warum auch nicht?

Das dritte Blütenjahr

Auch im 3. Blütenjahr bleibt es attraktiv. Aber die Mischungen verändern sich und reifen. Das ist normal.
Wir l(i)eben es einfach: Blumen...
Und Sie? Warum keine Königskerzen, wo sonst nur Rasen und Cotoneaster wachsen? Wer liebt nicht Rebhühner, Distelfinken oder Zauneidechsen? Wer sieht nicht gerne Schmetterlinge flattern?

Das vierte Blütenjahr

Das 4. Jahr zeigt keine Schwächen. Blumen ohne Ende: Formenvielfalt, seltene Schmetterlinge lassen sich auf einmal blicken, die es hier nie gab: Widderchen, Bläulinge, Schachbrettfalter.
Jeder Meter bringt andere Kombinationen aus den unendlichen Variationen der Natur.
Inzwischen sind die in die Blumen gepflanzten Büsche und Bäume dem Blütenhorizont entwachsen. Sie werden nachhaltigen Einfluß auf die Artenzusammensetzung der Zukunft haben.

Das fünfte Blütenjahr

Es wird nicht schlechter, nur anders. Das jetzt typische Artenspektrum ist da, es ist bunt, lebendig, vielfältig. Ein Gewinn.
Stellen Sie sich hier mal vor, hier wüchse nur Gras! Keinen Honig, keine Rebhühner, keine Distelfinken, keine Landkärtchen, keine Schachbrettfalter, keine Bläulinge. Nur Gras!

Das sechste Blütenjahr

Wer hätte gedacht, dass der Ottenhofener Lärmschutzwall einmal international für Aufsehen sorgt? Hier eine Exkursion aus dem österreichischen Vorarlberg im Rahmen des Programms Naturvielfalt in der Gemeinde. Was, das reicht ihnen nicht! Noch zu heimisch, die Besucher. Hätten Sie denn gern Exoten da droben? Bitteschön, Sie können auch einen Bus einer japanischen Naturschutzorganisation haben, die waren einen Tag vorher gut drauf.
Was, das ganze Gelabere interessiert Sie nicht, sie wollen Blumen se(ä)hen. Dann eben das noch gratis dazu. Das 6. Blütenjahr menschlos. Übrigens: Auch auf dem oberen Bild sind Blumen, z.B. das gelbe Echtes Labkraut.