Natur-Erlebnis-Schulhof Unterschleißheim

Adresse

Natur-Erlebnis-Schulhof Unterschleißheim
Michael Ende Schule
Raiffeisenstr. 27
85716 Unterschleißheim

Tel: 089/ 310 34 61
email: info@m-ende-schule.de

  • Baujahr 2009
  • Größe 3900 m²
  • Kosten pro m²: ca. 28 Euro
  • 224 Gehölze in 54 Arten
  • 40 Naturnahe Gartenrosen
  • 3000 Wildstauden aus 120 Arten
  • 67 Arten an Zwiebeln und Knollen

Projektleitung

Dr. Reinhard Witt (Ottenhofen), Frank Willemsen (Willich), Dorothea Kalb-Brenek (Mosaike), Robert Schmidt-Ruiu (Holz und Seile)

Projektkoordination

Marlies Schünemann (Rektorin), Djana Pfleger, Michael Schäfer, Hans-Jörg Stier, Wolfgang Stöckl, Peter Weyerer, Dörte Würch - alle Unterschleißheim

Praktikanten

Naturgarten-Profi-Kurs 1 mit Silke Kaden (Waldkirchen), Dres Hubacher (CH - Bern), Anja Löbbecke (CH Neuenhof), Änder Erpelding (L - Medernach), Daniel Keiser (L - Mertzig)

Pflanzenplanung

Dr. Reinhard Witt (Ottenhofen)

Besonderheit

Auf engstem Raum eine unglaubliche Vielfalt an Strukturen, Elementen und Erlebnis-Räumen.

Den Anfang machte eine Wette. Bei der Sitzung des Unterschleißheimer Stadtrates stand in Frage, ob ein Objekt dieser Größenordung und Qualität in der geplanten Zeit von vier Wochen realisiert werden könnte. Ich bot die Wette an: "Geben Sie mir den Auftrag und ich beweise es!". Die Wette wurde von allen gewonnen: Vom Bürgermeister, dem Stadtrat, der Schule und von mir, weil tatsächlich in Rekordzeit ein außergewöhnliches Projekt umgesetzt werden konnte. Und außerdem blieben wir noch ca. € 20.000 unter den geschätzten Gesamtkosten. Bürgermeister Rolf Zeitler danach im Dankesbrief: "Sie haben hier aus einem Asphaltteppich einen einzigartigen Spiel- und Erlebnisraum geschaffen, der den Kindern in ihren Pausen ihre Kreativität wiedergibt und zugleich umweltpädagogischen Charakter ausweist".

So ein Projekt geht nicht von allein. Unzählige Hände waren sehr, sehr fleißig. Eine begeisterte Rektorin und ein mitreißendes Kollegium, ein ungewöhnlich tatkräftiger Elternbeirat, Eltern über Eltern und dazu Schüler, die wohl nichts lieber machen als Pausenhöfe umbauen. Vergessen wir den Hausmeister nicht, selten sind sie so, dass sie von alleine kommen, sehen und helfen. Und handwerklich so gut!

Und auch meine Kollegen und Partner, der nimmermüde Frank Willemsen, der dreieinhalb Wochen am Stück durchhielt, dazu der kreative Robert Schmidt, der Mann mit der Säge, dem Holz, Seilen und Ein- und Zufällen. Dorothea Kalk-Brenek, die die Herzen der Mitbauer schnell erreichte. Dass die Qualität so hoch geworden ist, ist auch das Verdienst engagierter, kreativer und vor allem tatkräftiger Praktikanten aus Deutschland, der Schweiz und Luxemburg. Danke ihnen allen! Nur zusammen sind wir gut. Herausgekommen ist mal wieder eines der schönsten Projekte, und wenn Sie Zeit und Lust haben, gucken Sie es sich doch einfach mal an.

Noch einmal aus dem Dankesbrief des Bürgermeisters: "Die Einbindung verschiedenster Personengruppen, angefangen von künstlerisch versierten Handwerkern in Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern und Schülern, schafft eine außerordentliche Affinität der Beteiligten ortsansässigen Kreise zu dieser Anlage mit Auswirkungen in Bezug auf Lernbereitschaft, soziale Kontakte und soziales Verhalten bis in den Kreis der Familie hinein. Ich schätze Ihren Weg der Pädagogik und Ökologie, ganz abseits der gängigen Spielgerätelandschaft, der die sinnliche Erfahrung der Natur verbunden mit der Förderung von Eigeninitaitive, Kreativität und Rollenspielen zuläßt."

Treffend formuliert! Eine Lehrerin sagte mir, das ihr jetzt die Pausenaufsicht wieder Spaß mache. Und "...wir brauchen keine Streitschlichter mehr, denn es gibt kaum noch Streit!".

Dazu, wie Schüler plötzlich Verantwortung und Gemeinsinn zeigen, eine winzige Episode von meinem letzten Pflanztag am 30. November 2009. Ich stand auf dem Blumenhügel zwischen Burgberg und Bolzplatz, als ein Erstklässler mich ansprach: "Da dürfen Sie nicht drauf, da ist was gepflanzt". Und wenig später ein anderer, vielleicht Viertklässler: "Herr Wiiittt, was machen Sie denn da?" Antwort: "Ich pflanze Rosen!". Darauf er: "Oh - wie schön!"

Verstehen Sie? Ein Junge, in ein paar Jahren ein Mann! Ein Mann, der Rosen liebt! Die Zukunft steht offen. Ich habe meinen Nachfolger gefunden...

Vorher - ein trostloses Pflaster

Eigentlich braucht man das nicht mehr zeigen. Ödes Pflaster, viel Freifläche für Stress, halbmorsche Spielgeräte und Rasen, der zu zwei Drittel des Jahres nicht nutzbar, weil zu nass und zu dreckig. Wir zeigen es dennoch, damit Sie ein Bild von vorher haben. 

Tausende Quadratmeter platt gemacht. Oje!
Es kommt darauf an, was man draus macht. Hier nur langweilige Betonumrandungen...
...wie auch hier. Das soll mal ein Teich werden?
Nicht beachtete Menschen werden aggressiv und zerstörerisch. Vandalismus ist auch eine Antwort auf mißlungene Demokratie...

Zwischendrin - Chaos und Zerstörung

Aus alt mach neu. Hunderte Meter vorhandene Betonumrandungen sollen aus ökologischen und Kostengründen wiederverwendet werden. Was macht man mit so etwas Unästhetischem? Einbuddeln? Zeigen? Aber wie? Vielleicht integrieren und daraus eine neue Sache machen? Jawohl, ein Hüpfparadies..., wenn schon Beton, dann wenigstens lustig und freifüßig drüber weg. Es kommt darauf an, was man draus macht...

Aufbruch und Zerstörung. Der Bagger hat ganze Arbeit geleistet. Asphalt und Betonplatten sind weg, der Boden atrmet tief durch. Endlich! Und danke!
So langsam entsteht das Neue aus dem Alten. Betonumrandungen werden zum Hüpfparadies arrangiert.

Von der Vielfalt des Tuns

Die Projektarbeit und das Ergebnis: Eigentlich waren es drei Projekte auf einen Schlag. Auf einmal heißt, in acht Projekttagen wurden mit Schülern, Lehrern, Eltern, und allem, was noch so daher kam, gebaut: 

1. Fertigstellung des gesamten Geländes

2. Holz-und Seilprojekt

3. Kunstprojekt

4. Das Weidendorf kam etwas später im Herbst, es dauerte zusätzliche 2 Tage.

Hokus, Pokus. Und fertig ist alles. Keine vier Wochen später sieht das Gelände so aus. Reich strukturiert, mit allen Höhen und Tiefen des Lebens.
Und so bewegen sie sich denn im Hüpf- und Rechenparadies, wo schon das Springen so viel Freude macht, dass gerne das Rechnen dazu kommen kann. Manchmal aber müssen sie im Hüpfen inne halten, weil ihr Rechnen so lange dauert. Dann stehen sie eben.
Vom Burgberg aus entdeckt man viele Wege, Plätze, Nischen...und natürlich die Sozialrutsche...
...kaum zu glauben, wie viele Kinder hier begeistert rutschen. Alleine rutschen ist langweilig, zusammen aufregend.
Und wer will, kann es sich unterm Berg, in Tunnel und Höhle gemütlich machen, was sogar mitten im Winter der Fall zu sein scheint.
Es sei denn, man gesellt sich zum Teich, um hie und da das eine oder andere zu tun oder zu lassen.
Manchmal mag man sich wirklich fragen, was Kinder so fühlen. Diese Jungs jedenfalls fühlen nahezu nichts. Das Wasser ist eiskalt und sie fingern im Teich herum! Warum?
Das Weidenhüttendorf ist ein Spaß an sich. Schon die Erbauer waren mit Freude dabei, wieviel mehr die späteren Besitzer, die Kinder.

Mosaizieren wie Musizieren

Mosaik und Musik klingen nicht nur ähnlich, sie sind es auch. Unter Anleitung der Künstlerin Dorothea Kalb-Brenek entstehen die ersten Stücke. Zunächst noch angeleitet, dann immer freieres Spiel mit Farben, Formen und Figuren. Und wenn Sie mal genau hinhören, die Musaik-Stücke klingen sogar leise, ganz leise...

Schon bald findet sich eine Fangemeinde im Hüpfparadies zusammen. In Kleingruppen oder allein meditiert man mosaizierend.
Und ab hier verwandelt sich das Hüpfparadies ins Rechenparadies. Zufällige Zahlen entstehen, mit viel Liebe, Geduld und Zeit - handmade einmal nicht aus China, sondern in Germany.
Fazinierend, wer sich einfindet und miteinander werkt. Eine Schulhofbaustelle als sozialer Schmelztiegel.
Mancher findet zu Fähigkeiten, die er noch gar nicht von sich kannte. Kreativität befreit sich. Eine Lehrerin an der Michael-Ende-Eule, dem Wahrzeichen der Schule.
Kannten Sie schon die Geschichte von der Schlange, die eines schönen Oktobertages einen kleinen Elefanten verschluckte, der ihr aber sehr, sehr schwer im Hinterbauch hing, so dass sie gar nicht mehr schlafen konnte? Nein? Kein Wunder, denn das ist ja auch keine Michael-Ende-Geschichte, sondern die einer die Schlange mosaizierenden Mutter, deren Baby übrigens immer brav neben ihr im Kinderwagen stand.
Grauen und Horrorgeschichten mussten natürlich auch auf dieser Baustelle fabriziert werden. Dieses Trio übt sich gerade an Vampiren für den Höhleneingang unterm Burgberg.
Und siehe da, kaum denkt man an sie, schon ist sie da. Die Rektorin höchstselbst ließ es sich nicht nehmen, mit all den anderen viele Male nachmittags zu kommen um zu helfen.

Von Holzschnitzereien, Baumbauten und Seilschwüngen

Fehlte zur Abrundung von Spiel und Erlebnis und des 100-Prozent-Super-Pausengefühls ein wenig Holzarbeit. Und, hängt man an kreativ verbundene Eichenstämme, ab und zu ein Seil oder auch zwei, entsteht eine Wackellandschaft - sehr zum Gefallen aller Kinder. Psst!...denn wenn keine Kinder gucken, gehen sogar Erwachsene drauf.

Nach soviel Detail tut ein Blick in den hinteren Pausenhof gut. Wir streifen rechts einen der Aufgänge zum Burgberg und sehen über das Wasserspielgelände hinüber in den Niedrigseil-Klaetergarten.

Der Meister aller Meister

 

"Aber bitte die Schuleule nicht vergessen," erinnerte Elternbeiratsvorsitzende Dörte Würch. "Ich habe noch nie eine gesägt", antwortete Robert Schmidt. "Dann ist das eben Deine erste!". Und so geschah es. Eine Viertelstunde später erhob sich, geworden aus rohem Eichenholz, eine Eule ganz nach Maßen und Wünschen eines Michael Endes.

Robert Schmidt an seinem Element. Mit der Motorsäge beschnitzt er Baumstämme wie ein Künstler. Kein Wunder, er ist einer. Gerade noch bei der Arbeit...
...und schon fertig und aufgestellt. Für Kinder ein Totempfahl, für Sehende ein Doppelgesicht, für Fantasierende kleiner Mann auf großer Frau, für...??? Jeder bestaunt es auf seine Weise und findet etwas darin.

Und sie lieben es...

Es ist ein nicht enden wollendes Spiel mit der Schwerkraft. Man springt auf, ab, lässt sich hängen, fallen, fängt sich wieder auf.
Koordination, Motorik, Balance, all das wird trainiert - und wie wir heute wissen, fördern genau diese Fähigkeiten Sprachgefühl und Spracherwerb.
Besonders beliebt ist Nachlauf auf schwebenden Balken und nachgebenden Seilen. Zum Staunen und unvorstellbar schnell für jeden Erwachsenen.
Was wollen wir eigentlich mehr? Schaffen wir der menschlichen Kreativität den Frei- und Freuraum, der ihr gebührt, damit aus diesen Schülern dereinst gute und große und reife Erwachsene werden.

 

Das zweite Jahr

Eigentlich ist es das erste Blütenjahr, denn wer im Hochsommer oder gar im Herbst baut, hat blütenmäßig das Nachsehen. Dafür wird das erste Blütenjahr um so besser...

Nun ja, das erste Blütenjahr fängt ja mal gut an. Und das sogar schon auf dem Parkplatz vor der Schule.
Es deuten sich imposante Pflanzen und Pflanzungen an.
Goldlack und Habichtskraut als Erstblüher auf einem Beet.
Und natürlich sind es die Einjährigen und Schnelllebigen, die das erste Jahr prägen, Mohnrot...
...oder Kornblumenblau gemischt mit Färberkamillengelb.
Daneben Pionierstauden wie Staubige Margerite...genießen wir das, das nächste Jahr wird ganz anders.
Das frischgrüne Weidendorf ist einer der Pausenhits der Schüler.
Und da auch die Pflege unter fachlicher Anleitung mit Begeisterung und Hingabe von den Schülern gelebt wird, kann eigentlich zukünftig gar nichts schiefgehen.

Das dritte Jahr

Nichts zu wünschen übrig. Alle sind begeistert. Eine unglaubliche Vielfalt an Formen und Blüten, Insekten, Vögeln lebt jetzt da, wo woher nichts war. 

Eigentlich darf ich das nicht sagen, denn es stimmt nicht: Das ist mein schönster Schulhof. Aber in dem Moment, gerade jetzt bei der Auswahl der Bilder, stimmt es. Morgen ist ein neuer Tag.
Überbordende Fülle der Wildblumen.
Farbenpracht für Augen und Ohren.
Wo kann man Natur noch so wahrnehmen?
Oder so?
Die heimische Mischpflanzung Naturgarten-Blütenteppe rot-weiß.