Das Hecken- und Wildblumenprojekt

Je länger, je lieber...

Eine Feldhecke mit Wildsträuchern und Wildobst. Das ist ein Lebensprojekt. Es dauert. Länger als ein Menschenleben. Doch auch das Anfangen ist wunderbar. Der Mensch als Heckenspender. Begleiten wir so ein Langzeit-Projekt. Und haben Geduld. Denn dieses Projekt 30 km östlich Münchens begann im Herbst 2003. Erst? Immerhin! Wenn alles gut geht, können wir es noch viele Jahre begleiten. Im Wachsen und Werden. Die insgesamt 2000 m² Fläche wurden außer mit Heckensträuchern aller Art mit schönsten Wildblumenmischungen besät. Und ganz nebenbei taugt das Ganze noch als Hilfe für den Laubfrosch. Freuen wir uns über diesen Beitrag zu mehr natürlicher Vielfalt. Mal sehen...

 

 

Der Anfang beginnt ziemlich nebulös. Nein, wir wollen nichts verheimlichen. (Oben finden Sie den genauen Ort, falls Sie mal vorbeischauen möchten...) Aber in so einem Flusstal hat's nun manchmal Nebel. Und feuchtere Wiesen... und...???

Die Geschichte wirkt immer noch nebulös. Denn plötzlich taucht aus der weißen Suppe ein Bagger auf. Und hebt zwei Teiche im Grundwasser-Bereich aus. Warum? Für Laubfrösche, die im Umland vorkommen. Für Hyla hyla, den Laub liebenden Frosch, der es vom Heckenplatz zum Laichteich nicht weit hätte. Hätte! Problem: Das Jahr 2003 war knochentrocken. Wie hoch wird das Grundwasser nächstes Jahr stehen? Schließlich wollen wir keinen zu tiefen Teich, denn mit Enten könnten Fischeier eingeflogen werden, tödliche Konkurrenz für Amphibien. 30-50 cm Wassertiefe reichen, gelegentliches Austrocknen ist sogar erwünscht.

Der Bagger ist weg und es steht erst eine Pfütze. Reicht das Wasser? Haben wir Geduld!? Auch mit jenen Kritikern, die sich genau an dieser Stelle schon mehrmals an den Kopf gegriffen haben. "Jetzt baggern die auch noch die Wiesen um. Die spinnen ja total", hören wir es reden.

Fast hätten wir vergessen, Ihnen weitere Bewohner der ausgedehnten extensiven Wiesen am Flußufer vorzustellen. Fünf Galloways. Die gucken recht neugierig. Das sind sie auch. Die urigen Weiderinder sollen die Flächen mit der Zeit in eine Naturlandschaft umwandeln. Sie gehören wie auch das Hecken- und Weideland dem Besitzer der Köckmühle, Landwirt Josef Rosenberger. Ein Mensch mit Herz für Natur. Das ist unter Landwirten schon was relativ seltenes. Wie viele schenkten wertvolles Land her für Hecken? Bitte, in welcher Zeit leben wir denn heute...?? 

 

 

 

 

 

 

 

Kommen wir endlich zum Thema! 200 Meter ist sie lang und zehn Meter breit. Macht 2000 m² Fläche. 300 Heckensträucher und Bäume kommen hier drauf, viel zu wenig, wie Heckenkundige gleich errechnen. Stimmt! Denn das Heckenrevier muss zudem Platz für jede Menge Wildblumen bieten. Nur Hecke wäre ja langweilig. Und längst nicht so lebendig. Also testen wir hier neun verschiedene Wildblumeneinsaaten für nährstoffreiche Böden.

Die Sträucher, Bäume und Wildobst liegen aus. Mit großem Abstand, damit viel Raum für Blumeneinsaaten bleibt. Mulchscheiben aus Pappe schützen die Sträucher vor dem künftigen Blumenmeer.
Auch Baumstecklinge werden eingesetzt. Das ist harte Arbeit, die Löcher müssen 1 m tief sein.
Nach einem Tag gemütlicher Pflanzerei steht die Hecke. Alles ist eingesät. Schade, schon vorbei? Nein, jetzt geht´s erst richtig los. Warten wir es ab!
Sie möchten wissen, was gepflanzt wurde: Dann klicken Sie sich hier weiter zur Artenliste der drei Heckenabschnitte
Appell an Sie: Dieses Beispiel haben wir zum Nachmachen ins Netz gestellt. "Bei mir geht das nicht", sagen Sie. "Habe weder Land, kenn mich nicht aus, find keine Helfer." Alles geht, wenn Sie nur wollen. Besonders leicht das Letzte: So sehen glückliche Helfer aus. Bei der Brotzeit.
Im Sommer des ersten Blütenjahres steht die Pflanzung im bunten Blumenkleid. Das ist nicht nur ein Augenschön, sondern auch Futterversprechen für unzählige Bíenen, Hummeln und Co. Die seltenen Wespenspinnen können sich massiv in der Hecke verbreiten. Und ein Schwarm Distelfinken beschließt ab sofort, die 1000 m² Blumenflur zum Zuhause zu machen. Das garantiert gutes Winterfutter.
Das Grundwasser im neuen Teich war zu niedrig. Spontan wurde er vergrößert und die Randflächen ebenfalls eingesät. Nach drei Monaten schwimmt Wasser in einem Blumenmeer.
Verabschieden wir uns vom ersten Wuchsjahr mit diesem Blick. Es zeigte sich, dass Galloways massives Interesse an frischen Wildblumen hegen - wie auch an frischen Badeteichen. Deswegen mussten die angesäten Blumenbereiche und Teiche abgesperrt werden. Sein Blick bleibt dennoch begehrlich auf Vielfalt gerichtet. Trösten wir den Bullen: "Du sollst auch andere (Tiere) neben Dir dulden, etwa Distelfinken und Laubfrösche".
Die zweite Blütesaison zeigt den Teich im anderen Blumenkleid. Zweijährige prägen das Bild. Es brummt, summt, flattert und fliegt. Hummeln, Bienen, Vögel sind eingekehrt.
Die gepflanzte Hecke ist im 2. Jahr im eingesäten Wildblumenmeer verschwunden. Hier mit Hochstauden wie Königskerzen und Wilder Karde. Ist es ein Zufall, dass sich jetzt als Insektenfresser der Neuntöter, eine Rote-Liste-Art sehen läßt. Nein!

 

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