Natur-Erlebnis-Kindergarten Notzing

Adresse

Natur-Erlebnis-Kindergarten Notzing
Mühlenweg 1b
85445 Oberding

Tel: 08122/89 28 88

  • Baujahr 2000
  • Grösse 1520 m²
  • Kosten pro m² 37 Euro (ohne Spielgeräte) 

Projektleitung

Landschaftsarchitekt Max Bauer (Vormodellierung; Wörth), Dr. Reinhard Witt (Gesamtplanung, Bauleitung, Projektarbeit und Pflege mit Eltern; Ottenhofen)

Pflanzenplanung

Dr. Reinhard Witt (Ottenhofen)

Besonderheit

Kletterwand aus Naturstein, Burgberg, grosse Höhenunterschiede, Wasserspielgelände, Weidenstammschaukel, Mosaikskulptu

  • Wildstaudenarten 200 (mit Spielplatz)
  • Blumenzwiebelarten 15 (mit Spielplatz)
  • Sträucherarten 55 (mit Spielplatz)

Auf Schulhöfen haben wir

es oft genug erlebt: Kinder planen ihr Aussengelände. Sie bringen grosse Kreativität und viele Ideen mit. Doch wie ist das im Kindergarten-Alter? Können Knirpse zwischen drei und sechs Jahren ihren Kindergarten planen? Keine Frage: Sie tun es mit Begeisterung und beachtlichem Erfolg. In Notzing wurde zum 1. Mal der sogenannte "Dillinger Weg" der Benutzerbeteiligung in einem Kindergarten erprobt. Die Notzinger Kinder bauten mit ihren Eltern in 12 Obstkistchen ihr Traumgelände. Daraus entstand dann der Plan des Aussengeländes. In acht Projekttagen wurde das vormodellierte Areal dann mit Kindern und Eltern, Gartenbauverein und Nachbarn gebaut - ein Riesenspass mit beachtlicher Arbeitsleistung. In dieser kurzen Zeit konnte mit 100 to Kalkstein eine Erlebnislandschaft gestaltet werden - wie sie Kinder erträumen. Und so sehen Träume in Realität aus: Innigster Wunsch auf der Liste der Gestaltungselemente waren Berge und Täler - und wer heute in den Kindergarten geht, wird ein stark gestaltetes Gelände vorfinden. Die höchste Erhebung, der Burgberg, der im Winter zum Schlittenberg wird, überragt um 4,5 m den tiefsten Punkt, das Wasserspielgelände. Eine Schwengelpumpe fördert Wasser in den Sand-Matsch-Bereich, ein ebenso heisser Wunsch der Kinder. Es reicht bis ans Grundwasser und besteht aus verschiedenen mit Natursteinblöcken abgetrennten Höhenstufen. Weiden-Kopfstecklinge spenden hier schon in der ersten Saison Schatten. Bei soviel Natur schadet ein konventionelles Spielgerät, eine Hangrutsche vom Burgberg ins Wasserspielgelände gar nicht, ganz im Gegenteil: Auch sie stand auf der Wunschliste ganz oben. Der Wasser-Sprunggraben mit Trittsteinen fängt das Regenwasser vom Dach auf. Er ist nur 20 cm tief und damit ungefährlich. Darin liegende Trittsteine sollen zum Springen verleiten. Wer ist der Mutigste und kann am weitesten hüpfen? Die Bepflanzung mit heimischen Sumpfgewächsen macht den mit Ton abgedichteten Graben zum lebendigen Erlebnis-Element. Und natürlich muss man klettern können. Wege und Treppen aus Naturstein führen auf den Burgberg und durchs Gelände. Eine grosse Kletterwand aus Natursteinen stellt an die Wagemutigen Herausforderungen. Baumstämme laden zum Turnen ein. Damit die Spannung erhalten bleibt, können die Kleinen eine 5-m-Hängebrücke überqueren, die zwischen Silberweidenstämmen aufgehängt wurde. Auch die Eckpfosten einer Vogelnest-Schaukel sind zwischen lebendigen Silberweiden aufgehängt - ein Novum in der Spielgeräte-Landschaft. Zum Verirren lockt ein Weidenlybyrinth. Und was wollten die Kleinen noch: Feuerplatz und Kräuterbeet und ein paar Beerensträucher zum Naschen. Nicht zu vergessen: Natur. Die aber trifft man überall: etwa die Blumenwiese zum Beobachten und einen Blumenrasen zum Feste feiern, daneben der Blumen-Schotter-Rasen zum Fühlen und Riechen. Die Wildsträucherhecken erblühen mit bunten Säumen. Wildblumenbeete an vielen Stellen locken Schmetterlinge, Bienen und Hummeln herbei. Für Wildbienen gibt es Nist- und Beobachtungsgelegenheiten. Das alles passt wunderbar zur Ausrichtung des Kindergartens, der eine naturnahe Erziehung in den Vordergrund stellt. Sinneserlebnisse mit Naturmaterialen erfühlen, riechen, hören, schmecken, sehen und entdecken stehen im Vordergrund. Daneben sind Wachstumsprozesse in der Natur, das Spielerische und die Bewegung sehr wichtig. Die Bepflanzung ist für Kindergärten ungewöhnlich artenreich und vielfältig. Eine Vielzahl von Stauden und Gehölzen, Gräsern, Farnen oder Zwiebeln bereichern das Gelände. Es grenzt direkt an den Natur-Erlebnis-Spielplatz Notzing an. Auch auf den Pflanzflächen des nebenliegenden Bürgerhauses finden sich ausschliesslich heimische Wildpflanzen.

Natur-Erlebnis-Spielplatz Notzing

Natur-Erlebnis-Spielplatz Notzing
Mühlenweg 1b
85445 Oberding.

  • Baujahr 2001
  • Grösse 1250 m²
  • Kosten pro m² 37 Euro (ohne Spielgeräte und Bolzplatz)
  • Projektleitung: Landschaftsarchitekt Max Bauer (Vormodellierung; Wörth), Dr. Reinhard Witt (Gesamtplanung, Bauleitung, Projektarbeit und Pflege mit Eltern; Ottenhofen)
  • Pflanzenplanung Dr. Reinhard Witt (Ottenhofen)
  • Besonderheit Wasserspielgelände, 2 Burgberge mit Hängebrücke
  • Wildstaudenarten 200 (mit Kindergarten)
  • Blumenzwiebelarten 15 (mit Spielplatz)
  • Sträucherarten 55 (mit Spielplatz)


Dieser Natur-Erlebnis-Spielplatz grenzt

im Westen unmittelbar an den Natur-Erlebnis-Kindergarten an. Im Zuge des Neubaues des Kindergartens wurde auch der bestehende Spielplatz umgestaltet. Vorher bestand er aus Rutsche, Schaukel, Sandbereich und Rasenfläche. Er konnte zu einer fantasievollen Landschaft mit vielen Freizeitmöglichkeiten aufgewertet werden. Wie beim Kindergarten bauten auch hier Kinder ihren Traumspielplatz in Modellen aus Naturmaterialien. Die Umgestaltung nahmen dann die Eltern vor. An oberster Stelle standen für die Kids Klettergelegenheiten. Der grosse Schlittenhügel des Kindergartens geht in die Fläche über, so dass auch er von den Spielplatzkindern genutzt werden kann. Auf Verlangen der kindlichen Planer gibt es auch hier einen Sand-Matschbereich. Zwischen zwei Bergen gibt es eine Hängebrücke. Die vorhandene Rutsche des ehemaligen Spielplatzes wurden wieder eingebaut. Neu hinzu kam eine runde Tischtennisplatte. Auf Wunsch der Buben baute man einen konventionellen Bolzplatz mit Sportrasen. Die Abgrenzung zum Bürgerhaus im Norden erfolgte mit einer Gartenrosenhecke. Auch sonst ist die Fläche artenreich mit heimischen Stauden und Gehölzen bepflanzt. Insgesamt kamen zusammen mit den angrenzenden Flächen des Kindergartens 5000 Wildstauden aus 200 Arten, 300 Gehölze aus 55 Arten sowie 15 Arten Blumenzwiebeln und Knollen zum Einsatz

Der NaturErlebnisKindergarten ist ein Traum für die mittlerweile 60 Kinder in zwei Gruppen. Im Blick das Sand-Matsch-Gelände mit schattenspendenden Silberweiden. Dahinter der grosse Burg- und Schlittenberg - gestaltet und bepflanzt als "Garten für Schmetterlinge und Vögel"...

Im April 2002 ist unter fachlicher Anleitung des Planers einer der Pflegeeinsätze mit Eltern fällig. Die Beteiligung ist enorm und in vier Stunden sind 3000 m² Natur-Erlebnis-Grün naturnah gepflegt. Zwei solcher Pflegetage im Jahr reichen aus.

Das hohe fachliche Knowhow bei der konsequenten Planung nur mit heimischen Wildpflanzen zusammen mit der fachlich begleiteten Pflege beginnen Blüten zu tragen. Nur drei Wochen später blühen Mitte Mai die Wildblumenbeete im Schatten traumhaft: Waldvergissmeinnicht, Waldmeister, Nachtviole und viele andere Wildstauden zaubern Naturerlebnis in den Kindergarten.

Unglaublich, wie sich in einem weiteren Monat das Bild verändert. Ein Wildblumenmeer prägt den Kindergarten. Alle sind begeistert. Die Kinder malen wie die Weltmeister: Blumen und Tiere.

Ein Novum in der Spielgeräte-Landschaft: Die Vogelnestschaukel ist an lebendigen Silberweiden aufgehängt. Und die treiben kräftig aus. Wenn wir wollen, werden es riesige Bäume. Falls nicht, werden sie zurückgeschnitten.

So sieht ein Natur-Erlebnis-Spielplatz in Realität aus. Obwohl Kinder intensiv spielen, gibt es viele wunderbare Wildblumen. Die floristische Artenvielfalt lockt unzählige Tiere herbei. Zum Beobachten und Erleben. Und zwischen allem Kinder in ihrer Fantasiewelt... Fazit: Eine Spiellandschaft muss nicht automatisch grasgrün sein und erst recht nicht kahl...

Mit dem Tauben- Kropf- Leimkraut kommt die Einsaat des Blumen-Schotter- Rasens in den Ritzen der Naturstein- Treppe zur Blüte.

Auch die Wildpflanzen-Flächen rund ums Bürgerhaus gewinnen an Attraktivität: Die sonnigen Bereiche blühen traumhaft - und alle sind begeistert.
Im Schattenbereich zaubert die Frühjahrsblüte unbekannte Kompositionen aufs Bild. Hier ragt die Kriechende Gemswurz aus einem Vergißmeinnicht-Teppich hervor.
An anderer Stelle zeigt sich der Vielblütige Salomonsiegel einige Zeit. Ein erhabener Anblick.

Das beste Aussengelände ist jenes, das nie fertig wird. In diesem Sinne handelt auch die Gemeinde als Kostenträger. Im Sommer 2004 wurden drei Naturerlebnis- und Kunsttage abgehalten. Hierbei konnten mit den inzwischen "neuen" Eltern die Eingänge des Kriechtunnels als Mosaikskulpturen gestaltet werden. Die Begeisterung über die gelungene Kunstaktion mit Frosch und Schnecke war groß - bei Kindern, Eltern und dem Team.

Mit Schönem gewinnt man Freu(n)de.

11 Jahre später

"Diese Projekte funktionieren doch nie!" "Auf Kies wächst sowieso nichts." "Alles Humbug, was der Witt da macht!" Solche Einwände traut sich kaum einer mir direkt zu sagen, aber gesagt wird es hintenrum doch.  Wir halten uns lieber an die Fakten um festzustellen, dass alte Projekte immer besser werden. Dieses etwa lohnt der Betrachtung, es ist mein ältester Kindergarten.

Einer der Gründe für das hervorragende Aussehen ist die zweimal jährliche Pflege mit Eltern, die seit Anfang an von der Gemeinde finanziert wird. Das bringt Kontinuität und das Erfolg.
Inzwischen haben sich die Gehölze herausgearbeitet und geben dem Gelände einen natürlichen Rahmen, wie man an der Klettermauer sieht.
Stellenweise ist durch Gehölzaussaat der gepflanzten Arten natürliche Wildnis entstanden, deren Schutz Kinder zum Spielen lieben.
Die Schmetterlingswiese rechts der Rutsche zieht immer noch Tiere en masse an, die Kinder tolerieren diesen Fleck.
Der Blick vom 4,5 m höheren Burgberg sieht immer noch gewaltig steil aus, allerdings natürlich eingerahmt.
Das anfangs kahle Wasserspielgelände ruht weidenbegrünt nun im Schatten.
Erstaunlicherweise gelingt in diesem Gelände auch die Integration von inzwischen neu aufgenommen Krippenkindern im Alter von 2-3 Jahren: Sie arbeiten sich Jahr für Jahr ins Gelände und seine Herausforderungen vor.