NaturErlebnisSchulhof Lauingen

Adresse

Natur-Erlebnis-Schulhof Lauingen
Hyazinth-Wäckerle-Volksschule
Marienweg 2
89415 Lauingen

Tel. 0 9072 / 95560
Fax 955620

  • Baujahr 1995/1996
  • Grösse 1700 m²
  • Kosten pro m² 24 Euro

Projektleitung

Anton Grotz (Lauingen), Manfred Pappler (Gunzenhausen), Dr. Reinhard Witt (Ottenhofen)

Pflanzenplanung

Dr. Reinhard Witt (Ottenhofen)

Besonderheit

Verwendung von 125 to Bauschutt, modellierte Lauffläche, eingetieftes Schulhoftheater aus Naturstein, Weidenflechtkuppeln

  • Wildstaudenarten 77
  • Sträucher und Baumarten 58
  • darunter Wildrosen 20
  • Kletterpflanzenarten 15

Die Stadt Lauingen

liegt bei Dillingen an der Donau. Sie hat 11000 Einwohner. Der Hauptschulhof liegt inmitten der Stadt. Auf einer Fläche von 1.700 m² entstand 1995/96 das erste bayerische Modellprojekt einer Schulhofumgestaltung. Vorausgegangen waren verschiedene gescheiterte Ansätze. Die fantasielose Planung einer -Umgestaltung- des vorhandenen Kunststoffbelages durch einen Landschaftsarchitekten in einen ebenso versiegelten, mit teuren Steinplatten belegten Pausenhof wurde aufgrund der enormen Kosten von rund 305.000 Euro ebenso fallen gelassen, wie die naturnahen und kostengünstige Vorschläge aus dem Kreis von Eltern und Lehrern der Schule. Erst die Kooperation mit der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung im nahen Dillingen brachte den Durchbruch. In insgesamt 6 Arbeitstagen wurde das Gelände mit Hilfe von 25 Lehrern aus ganz Bayern und der Schule von grundauf anders. Nur durch diesen Großeinsatz konnten die insgesamt 208 to Kalksteine verbaut werden, wobei der Bau des Theaters erst später durch die Schule abgeschlossen wurde. Unglaubliche Erdbewegungen fanden statt: Für die etwa 200 m lange Hügelkette, die das Pausengelände zur Straße abschirmt, modellierte der städtische Bauhof insgesamt 516 to Erde, Sand, Kies und sauberer Bauschutt ein. Davon konnten 315 to Kies aber direkt auf der Baustelle gewonnen werden. Die Hügel sind vielgestaltig nicht nur in der äußeren Form, sondern auch im Inneren. Sie bestehen im Kern aus Bauschutt und wurden oben mit Kies oder Erde abgedeckt. An anderer Stelle findet sich reine Erde oder nur Kies oder eine Überdeckung mit Sand. Das an ein Amphitheater erinnernde Schulhoftheater liegt mit seinen fünf Sitzreihen 1,6 m tiefer, wogegen der Burgberg daneben 1,8 m Höhe aufweist. Die großen Höhenunterschiede setzen sich mit dem 1,2 m tiefen Burggraben fort, an dessen Seite die herzförmige Baumburg 2,7 m darüber trohnt. Am Beispiel von Lauingen wurden die vier Erlebnisräume entwickelt, die auch alle weiteren Natur-Erlebnis-Schulhöfe prägen sollten. Ruhe und Kommunikation findet auf der Baumburg statt, in abgeschiedenen Ecken wie dem Sonnenplatz oder auf den insgesamt 95 laufenden Metern Sitzmauern. Kunst und Kreativität bietet das Theaterareal oder der später erfolgte Bau der Weidenflechtwerke. Spiel und Bewegung ermöglicht das starke Auf und Ab des Geländes mit Höhenunterschieden von über 4 Metern. Auch die modellierte Lauffläche mit Höhendifferenzen von gut 40 cm trägt dazu bei. Und Naturerlebnis und Artenschutz entstehen durch die konsequent Bepflanzung nur mit heimischen Arten, die erste ihresgleichen. Lauingen war auch das erste Beispiel, auf dem die segensreichen Auswirkungen dieser neuen Wege der Schulgeländegestaltung praxiserprobt werden konnten. Der früher hohe Aggressionslevel der insgesamt 360 Hauptschüler hat stark abgenommen. Und trotz vielfach -gefährlicher- Stellen ist in bislang fünf Jahren Nutzung kein einziger Unfall im Schulgelände passiert - ganz im Gegensatz zu früher, als die Fläche noch einförmig und versiegelt war. In den Gesamtbaukosten von knapp 40.000 Euro sind auch jene 7.000 Euro enthalten, die für die Entsorgung des umweltschädlichen Mastixbelages und des Teerunterbau als Sondermüll anfielen. Wer nach Lauingen kommt, erstaunt über die gewaltigen Materialmengen an Naturstein, die händisch verbaut wurden. Das war sicherlich nur durch den kostenlosen Einsatz zweiter Fortbildungslehrgänge möglich. Andererseits müssen es nicht überall so viele Steine und damit externe Helfer sein. Beispiele wie Notzing, Deisenhausen, Wassertrüdingen, Ansbach zeigen, daß man auch allein mit Schülern, Lehrern und Eltern große Dinge bewegen kann.Auch heute noch ist der Schulhof nach all den Jahren ein Vorzeigeprojekt.

Der Natur-Erlebnis-Schulhof zeigt die Schönheit der Würde und des Alters. Als ältestes Beispiel zeigt er auch die Dimension, in die NaturErlebnisRäume hineinwachsen. Sie werden immer attraktiver durch die jetzt charakterbildenden Sträucher und Bäume.