NaturErlebnisSchulhof Lindenberg

Adresse

Natur-Erlebnis-Schulhof Lindenberg
Sonnenhalde 59
88161 Lindenberg

Tel: 08381/927790.

  • Baujahr 2006
  • Grösse 4250 m²
  • Kosten pro m²: 13 Euro

Projektleitung

Dr. Reinhard Witt (Ottenhofen), Gerhard Hoffmann (Lindenberg)

Projektmitarbeit

Dorothee Dernbach, Margarethe Holzer, Josef Pietschmann, Margit Rusch, Elisabeth Senn

Pflanzenplanung

Dr. Reinhard Witt (Ottenhofen)

Besonderheit

Wasserspielgelände, Sandsteinarena, Baumhäuser, Duftpflanzenbeete, Blumenwiesenhügel, Wildobst, Kletterfelsen, Boulderwände aus Recycling-Steinen, Burgberg, Duftpflanzen

Eine Hauptschule von zentraler Bedeutung,

über 600 Schüler. Ein Schulverband mit offenen Augen und Ohren für visionäre Ideen, fleißige Bauhofmitarbeiter, ein von der Sache begeisterter Baggerfahrer und etliche Praktikanten aus dem In- und Ausland. Dazu ein überaus engagierter Rektor mit Sinn für Innovationen und - muss man das sagen? - ein grundhässlicher Pausenhof aus der Betonzeit der 70er Jahre. Das sind die Bestandteile eines Projektes, das weit über das Allgäu hinausstrahlen wird: der Natur-Erlebnis-Schulhof Lindenberg. Wenn man sich das Ausmass der entsiegelten Fläche anschaut - es war ja nahezu alles betongepflastert - und das Ausmass der daraus entstandenen Natur-Erlebnis-Landschaft, dann ist dieses Projekt schon in seiner puren Dimension von 4250 m² etwas Außergewöhnliches. Entstanden ist eine Anlage, die von den Schülern sogleich mit Eifer und Begeisterung in Besitz genommen, bespielt und besetzt wurde. Prägendes Element sind die beiden Wasserspielgelände. Die über 160 Meter langen Wasserläufe verzweigen und teilen sich mehrmals. Sie umschließen zwei Inseln und erweitern sich in breiten Becken zu flachen Teichen. Tritt- und Sprungsteine werden eifrig genutzt, um Wasserpassagen zu überwinden und auf die Inseln zu gelangen. Gefördert wird das Wasser mit einer Handschwengelpumpe und einer automatischen Pumpe. Pünktlich zur großen Pause strömt es in das erste große Becken. Der Pausen-Spring-Spaß ist so garantiert. Die bereits vorhandenen Höhenunterschiede von 1,60 m zwischen oberer und unterer Hoffläche wurden durch viele Hundert Kubikmeter Aushub verstärkt, um eine gewaltige Hügellandschaft zu schaffen, denn Platz hatte die Schule am Ortsrand von Lindenberg reichlich. Jetzt betragen die Differenzen vom höchsten zum niedrigsten Punkt an die 5 m. Durch die Anhügelung konnte nebenbei der Abriß von 150 Metern vorhandener Betonmauern, erinnernd an die Zeit des kalten Krieges, vermieden werden. Das imposanteste Bauwerk ist die in Trockenmauerbauweise erstellte Arena mit zwei Sitzrängen, die sich in den großen Burgberg einschmiegt und als Ausichtspunkt für das untere Wasserspielgelände dient. Ein Teil der entsiegelten Betonsteine wurde von den Schülern zu Bouldertürmen vermauert, die jede Pause besetzt sind. Zusätzlich verleihen gespendete bis zu 10 to schwere Findlinge dem Gelände den Reiz, ein typisches Bild auch des landschaftlich wunderbaren Westallgäus. Wie auch immer: Die beste Beschreibung taugt wenig, so ein Gelände muss man erleben und erfühlen. Schauen Sie sich doch mal selbst um. Der Schulhof ist immer offen, wie der Rektor.

Es gibt zwar inzwischen genug Leute, die diese erbärmliche Trostlosigkeit herkömmlicher Pausenhöfe nicht mehr sehen können, aber wahrscheinlich muss man sich Hoffungslosigkeit und Zukunftsmangel der Hauptschulen angesichts des Durchschnitts-Pausenhofes immer wieder klar machen, um zu sehen: Da ist nichts, was weiter führen könnte. Rechts oben nach der Umgestaltung eröffnen sich neue Perspektiven auf ein lebendiges, erfülltes, selbstbestimmtes Leben.


Der untere Pausenhof im natürlichen Gesicht. Wir entdecken: Kriechröhre für den oberen Wasserlauf (und für Schüler); die Arena im großen Burgberg; die große Insel mit noch nicht gefluteten Wasserspielläufen. Und wir entdecken Schüler, die das entdecken. Viele verstehen das noch gar nicht, das es jetzt fertig ist. "Nach so kurzer Zeit!" Verstehen kann man erlaufen. Die Treppen hoch und runter, rüber auf die Insel und zurück, den Felsen fußwärts rauf, hinternwärts hinab, schnell durch die Röhre...

Eine Bewegungsstudie

Da selbst einfühlsame Botaniker und Pflanzenfreunde in den ersten Wochen kaum Erfolge auf einem jungfräulichen Natur-Erlebnis-Schulhof vorfinden werden, beschäftigen wir uns zwischenzeitlich kurz mit der Motorik, die ja, wir wissen das längst, ganz viel mit richtigem Sprechen, geistiger Gesundheit und körperlicher Reifung zu tun hat. Also mal die schnelle Frage an den Pädagogen in Ihnen: Wie viel motorische Entfaltungsmöglichkeit bietet die linke Fläche? Nein, nein, wir meinen das sehr ernst, denn so ernst ist ja auch die Situation unserer Schüler für gewöhnlich.

Auf eben dieser ehemaligen, obigen Pflastereinöde spielen sich nun Szenen des neuen Schulhof-Alltags ab. Es sind nur wenige Sekunden, die wir sehen, und doch beginnen wir zu verstehen, warum so eine Art Schulhof so unendlich wichtig ist für gesunde Schüler. Es ist ein Rennen und Springen, ein Hüpfen und Balanzieren, ein Wagen und Verzagen, ein Wachsen und Werden. Wir lernen Rücksicht und Vorsicht und überwinden Angst und Pech. Wir haben Glück, Spaß und toben, wir lachen und werden auch mal ausgelacht. Jeder macht es auf seine Weise und wächst und lernt, wie er es vermag. Und das ist gut so. Eine richtig gute Schule. Menschlich natürlich. Fürs Leben lernen.

Klettergeschichten Worauf Heranwachsende stolz sind: Auf etwas eigenes. Auf etwas aus eigener Kraft zu schaffen, geschafft zu haben. Nehmen wir nur mal die Herausforderung, solche Klettertürme zu bauen und dann zu beklettern. Ob Jungs oder Mädels: "Dabei habe ich mitgeholfen!" Und: "Schau doch mal!"

Blumen für alle

Und es ist so, dass es anfängt zu grünen und zu blühen. Traumhafte Bilder für einen Natur-Erlebnis-Schulhof, für besondere Schüler, für einen besonderen Rektor.

Färberwaid prägt den Weg zum Burgberggipfel.
Steppensalbei und Blauer Lein schmücken das Duftpflanzenbeet.