Vielfalt statt Einfalt

Rasenödnis wie auf vielen Firmenarealen. Ökologisch wertlos. Ökonomische Kostenfallen durch sinnlose Kurzgrasschnitte.
Vor der Kantine nichts Anderes: Mähen, nur um mähen zu können.
Pausenplätze ohne Ambiente.
Und unzählige ungenutzte, irgendwie gemangte Restflächen. Addieren sich zu Hektaren...das ke(ö)nnen wir schöner!

Projektkoordination

Walter Birnbaum, Fritz Jakob, Umweltschutz Evobus, Neu-Ulm

Planung

Dr. Reinhard Witt, Ottenhofen

 

Baujahr 2012 Hauptwerk
1105 m² nährstoffreiche Blumenwiesen
900 m² nährstoffarme Blumenwiesen
262 m² nährstoffreiche Blumenrasen
1590 m² nährstoffreiche Wildblumensäume
30 einzelne, zusätzlich gesäte Wildblumen
22500 frühlingsblühende Zwiebeln und Knollen

Baujahr 2013 Hauptwerk
456 m² heimische Staudenmischpflanzungen
Baujahr 2014 Auslieferungslager
400 m² nährstoffreiche Blumenwiesen und -rasen
600 m² Wildblumensäume
Wildsträucher- und Wildgehölzhecke mit 150 Gehölzen

Kosten 2012: € 7,30/m²
Kosten 2013: € 33/m²
Kosten 2014: € 10/m²

 

Die Idee Artenvielfalt und damit Biodiversität aufs Betriebsgelände zu bringen, greift um sich. Nach Mercedes-Benz Rastatt nun Evobus, ebenfalls ein Daimler-Unternehmen. Da werden die edlen Setra-Busse gemacht, Sie saßen bestimmt schon mal in einem.

Die ausgesuchten Flächen bestehen derzeit im Wesentlichen aus Vielschnittrasen oder artenarmen  Wiesen. Sie benötigen mehr oder weniger moderate Eingriffe, um sich in die gewünschte Richtung zu bewegen. In allen Flächen stecken jedenfalls  große Entwicklungschancen.

Schwerpunkt der Umgestaltungen ist eine Umwandlung von Rasenflächen und Randbereichen in ästhetisch ansprechende und zugleich ökologisch wertvolle Lebensraumtypen. Dies sind artenreiche, zumeist magere oder nährstoffreiche Blumenwiesen. Ergänzend hinzu kommt die Ansaat von begehbaren Blumen-Schotter-Rasen.  Herausragend ist der Wert von Wildblumenzwiebeln, die im blüten- und nahrungsarmen Vorfrühling für Mensch und Tier hohe Bedeutung erlangen.  Es wird bei der Umgestaltung im Besonderen auf allen Flächen  versucht, neben der langfristigen Reduktion der Pflegekosten vor allem die Lebensmöglichkeiten besonderer Insektenarten (wie der Wildbienen)  zu verbessern. Dies kann durch Einbringen neuer Wildpflanzen in Form von  Ansaaten und Pflanzungen, aber auch durch Umstellung im Pflegerhythmus erfolgen. Auf diese Weise wird das Evobus-Werksgelände zu einem wertvollen Refugium für eine große Zahl andernorts ins Hintertreffen geratender Wildpflanzen und Tiere. Dass dadurch auch der ästhetische Wert, die Optik, die Lebensqualität, ja die Erlebnisqualität der Flächen steigt und so auch für Mitarbeiter ein ansprechenderes Umfeld geschaffen wird, ist ein willkommener Nebeneffekt.

 

 

Ein neuer Anfang - die Burri-Methode

Der Wille zur Veränderung ist da! Bloß wie? Dafür gibt es viele Ratgeber, doch nicht alles funktioniert. Manches geht schief. Um nicht alles abschieben zu müssen, hilft nur die Burrimethode...

Wie - Sie kennen die Burri-Methode nicht? Dann bitte auf S. 41 in der 3. Auflage von Nachhaltige Pflanzungen und Ansaten nachlesen.
So sieht eine optimal saatfertig bereitete ehemalige Grünfläche aus.
Und jetzt beginnt Vielfalt, Biodiversität von Arten, Wildpflanzensaatgut.
Was wird auf diesem Streifen blühen? Wird es? Wie? Wann? Wir müssen uns in Geduld üben, die Burri-Methode dauert ein Wartejahr bis zum Erfolg.
Zwei Monate nach Ansaat herrscht vielerorts pure Wildnis. Doch wer genau schaut, entdeckt Blumenkeimlinge dazwischen. Der Erfolg der Burri-Methode ist programmiert, aber jetzt muss ein Schröpfschnitt her.
An unkrautfreieren Stellen lohnt sich sogar Jäten, auch diese Ansaaten kommen gut.

12 Wochen später

Eigentlich ist bei der Burrimethode nach 12 Wochen noch nicht viel zu erwarten. Doch zwei unserer anders angelegter Flächen gehen allmählich in die Blüte. Nicht schlecht für den Anfang. Essentiell außerdem: Die Information der Mitarbeiter...

Mitarbeiter von EVObus beginnen sich zu wundern: "Was machen die denn da? Warum? Wieso sieht das so aus?" Inzwischen weicht die Ratlosigkeit einer zarten ersten Erkenntnis: "Aha, darum, so sieht das also mal aus." Und auch wenn sich das vielleicht noch keiner richtig vorstellen kann: "Blumen und Zwiebeln sind auf jeden Falll besser als öde Rasenflächen!"
Die vorher unschöne Schotterfläche vor der großen Auslieferungshalle beginnt sich aufzuhübschen. Nelkenleimkraut und Wildes Löwenmaul präsentieren sich. Doch bis diese Fläche richtig gut ins Blühen kommt, benötigen wir noch Geduld. Ansaaten auf Magerflächen brauchen einfach Zeit.
Der auf unkrautfreiem Schotter angelegte Wildblumensaum sieht bislang am besten aus. Man erahnt, was EVObus dereinst blühen wird.
Sogar Honigbienen sind schon da, die im Gelände vorher nur wenig zu futtern fanden. Fehlte nur noch der Imker! Doch den gibts auch unter der Belegschaft.
Der Leiter Umweltschutz, Walter Birnbaum, legt selber Hand an. Bevor die Melde tausende von Samen verstreuen kann, kommt sie raus.
Außerdem werden für betriebsinterne Infos schon mal Bilder blühender Blumen gemacht.
Der Herbst ist die Hochzeit der Blumenzwiebelstecker: Über Über 16.700 Stück kommen in den Boden. Das ist richtig Arbeit. Doch schmerzende Rücken werden ab kommendem Frühling belohnt, das verspreche ich...für jede Muskelfaser eine Blüte. Vielleicht auch noch ein paar mehr.

Ein Jahr später

Erfolgreich oder nicht? Das ist keine Frage! Alles blüht. Alle sind begeistert! Die ersten Distelfinken werden gesichtet. Und die lange vermissten Bläulinge.  Feldhasen haben endlich Ruhe vor dem ewigen Rasenmäher. Schauen Sie selbst.

Der Blütenreigen beginnt. Elfenkrokusse eröffnen den Tanz der Blumen. Tausende stehen jetzt auf dem Gelände. Kein schlechter Anfang.
Woanders sind es gelbe Krokusse. Das Wechselspiel der Blüten belebt das Werk.
Vor der Kantine tauchen auf einmal Dichternarzissen auf. Wie schön.
Und die Ansaaten? Beginnen wir mit den Blumen- oder Kräuterrasen. Statt Grasmonotonie jetzt Artenreichtum.
Oder blumenbunt, wie hier, mit ungezählten Margeriten und Co.
Auch die eingesäten Blumenwiesen sind prachtvoll: ein halbschattiger Standort im Frühlingsaspekt.
Wir könnten nun den Wettbewerb der schönsten Blumenwiesen ausrufen, machen wir aber nicht, dazu ist weder Platz noch Zeit. Es gibt so viele im Gelände.
Noch ein letzter Blick auf eine außerordentlich gelungene Blumenwiese im Vordergrund. Und im Hintergrund: auf den ersten Wildblumensaum, wir wechseln mal dahin.
Traumhafte Säume voller Blüten, auf Tausenden Quadratmetern. Wir benötigen viel mehr solcher Flächen, auf allen Firmengeländen!
Das ist der Wildblumensaum, der schon im Vorjahr nach 12 Wochen so schön war. Häßlicher ist er nicht geworden, nur anders.
Und das sind nur 25 m² Fläche neben dem Werksambulanzparkplatz. Der Rettungswagen parkte vorher irgendwo. Jetzt weiß jeder, wo! Genau da, wo die Blumen stehen.
Das ist die aus einem Schotterrasen entstandene Magerwiese vor der Auslieferungshalle, schon 2012 prachtvoll. 2013 noch mehr.
Bläulinge sind keine Rarität mehr, sondern gehören zum Inventar von Evobus.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Solche Firmen muss man in Deutschland suchen. Die naturnah als Leitbild so konsequent und so schnell umsetzen. Natur im Firmengelände. Ein buntes lebendiges, zukunftsträchtiges Vorbild: europaweit.

Heimische Staudenmischpflanzung

Die fantastischen Erfolge mit heimischen Wildpflanzen auf dem Firmengelände spornen zu weiteren Taten bzw. Umgestaltungen an. Auf 460 m² werden an exponierter Stelle vor der Kantine heimische Staudenmischpflanzungen angelegt. Gar nicht schlecht, das zeigt schon das 1. Jahr. Das 2. Jahr kann da kaum schlechter werden.

1824 Wildstauden warten aufs Einpflanzen auf unkrautfreien 456 m² Fläche.
Besonders: Die Lücken werden zusätzlich mit Wildblumen besät.
Und es keimt nach wenigen Wochen.
Nelkenleimkraut blüht noch im gleichen Jahr.
9000 Zwiebeln dürfen im gleichen Herbst gesteckt werden: Echt Arbeit!
Das nächste Frühjahr zeigt. Es hat sich gelohnt. Wildtulpen en Masse!
Und auch diese an Trockenstandorte angepasste Narzissen blühen fleißig lang.

Wildblumenwiesen, -säume und -hecken im Auslieferungslager

Nun kommt der nächste Werkteil an die Reihe. Das unbelebte Auslieferungslager erhält 2014 erste naturnahe Elemente.

Vorher: Wie immer. Langweiliges artenarmes Rasengrün und als landschaftsarchitektonischer Höhepunkt: Einige Birken. Für Tier zum Reißauß nehmen.
Es werde Vielfalt. 150 Wildgehölze und 1000 m² Wildblumensaaten werden heimisch. Jetzt brauchen wir nur noch etwas Geduld, damit es wächst und blüht.