Hektarweise Wildblumen

Orchideen auf dem Werksgelände? Bei den Illwerken der Normalfall!

Projektkoordination

Martin Tschofen, Umweltschutz Illwerke, Vandans

Planung

Dr. Reinhard Witt, Ottenhofen

Baujahr: 2015
Fläche: 7553 m²
    trockene bis leicht feuchte Magerwiesen  
    warme trockene Säume

   9500 Wildblumenzwiebeln

 

Naturvielfalt in der Gemeinde im Vorarlberger Rankweil war der Auslöser für dieses Großprojekt. Martin Tschofen, der Umweltschutzbeauftragte der österreichischen Illwerke, experimentierte also seit 2011 mit Ansaaten von heimischen Wildblumen herum. Durchaus erfolgreich. Allerdings nicht mehr, als ein großes Münchner Landschaftarchitektenbüro für weitere Flächen beauftragt wurde. Denen fehlte schlichtweg das Knowhow - die Ansaaten endeten katastrophal. Da Reinhard Witt ähnliches bei E.ON schon gemacht hatte und außerdem Kursleiter in Rankweil war, lag die Frage nahe, ob ein Fachmann einmal vorbeikommen könnte? Gefragt, getan, und daraus erwächst gerade eine der größten naturnahen Industriebegrünungen Europas. Wir fingen im Juni 2015 mit 7553 m² an, wenn es fertig ist, sind wir nur beim Werk Bürs bei 2,5 Hektar. Darunter sehr spannende Ansaaten mit hohem Vergleichs- und Bewertungspotential für weitere Projekte. Selbst zoologische Begleituntersuchungen sind angedacht. Neben vielen speziell auf die Vorarlberger Illwerke ausgeklügelten Ansaaten dürfte besonders eine Heumulchansaat Furore machen. Von einer der schönsten Bergwiesen Vorarlbergs soll Saatgut gewonnen werden, regionaler geht es nicht. Seien wir gespannt auf die Zukunft, der Anfang ist gemacht und es zeigen sich schon beachtliche Erfolge.

 

 

Pioniertaten mit Wildem

Seit Besuch der Kurse Naturvielfalt in der Gemeinde experimientieren die Illwerke unter Martin Tschofen mit Wildblumenansaaten herum. Doch schon davor waren sie Hüter und Bewahrer von alpenländischer Fauna und Flora. Das lassen sie sich durchaus etwas kosten.

Martin Tschofens Experimente. Im Innenhof der Vorarlberger Illwerke wurden große Rasenflächen bereits in blütenstarke Blumenwiesen umgewandelt. Färberkamillen zu Tausenden, wo andere Großkonzerne, noch Rasenmäherkolonnen herum-rasen lassen.
Sieht aus wie eine jahrhundertealte Bauernbergwiese, ist aber erst ein paar Jahre alt. Der Damm eines Speicherstausees der Illwerke als traumhafte Wildblumenwiese, in der es vor Orchideen nur wimmelt. Fachgerechte Mahd ist Werks- bzw. Ehrensache.
Ja, wen haben wir denn da? Nein, nicht Reinhard Witt, der sowieso da ist, sondern...was er fotografiert. Whats that? Das gibt doch gar nicht!
Spannend, nein nicht wegen der Umspannung ringsherum, sondern weil dieser Schwalbenschwanz ganz anders aussieht als die deutschen? Hilfe Lepidoperologen, ist das eine eigene Unterart?
Aha, und deswegen ist er da. Weil Martin Tschofen im Umspannwerk Bürs eben Wildblumen ausgesät hat. Stimmt doch: Wer Wildblumen sät, wird Schmetterlinge ernten.

Das Heumulchprojekt

Ja, es ist gut, regionales Wildblumensaatgut zu nehmen und nicht die bunte Mischung aus Lagerhaus und Gartencenter. Das machen die Illwerke seit 5 Jahren. Noch besser freilich als in der Region produzierte und auch dort wieder ausgebrachte heimische Saatgutmischungen von Wildblumenproduzenten sind die Originalstandorte. Diese wunderbare Bergblumenwiese wurde von Reinhard Witt für gut befunden, um Mutter von Ansaatflächen im Umspannwerk Bürs zu werden, gerade einmal 1 km bergrunter.

Martin Tschofen und Werksleiter Martin Meyer stehen begeistert in der Bergblumenwiese. Sie soll die standortheimische Ursaat für neue Flächen im Werk Bürs liefern.
Artenvielfalt ist hier Programm. Diese uralte Blumenwiese hat einige 100 Jahre auf dem Buckel. Sie dürfte mindestens 50-70 Wildpflanzenarten enthalten. Mehr geht nicht. Gemeinsam legen wir die besonders artenreichen Mähabschnitte fest, die Basis für die Heumulchansaat.
Seltene und seltenste Arten kommen vor, nicht nur die edle Büschelglockenblume.
Natürlich gehören hierzu auch verschiedene Knabenkraut-Orchideen, von denen wir wissen, dass sie oft lokale genetische Anpassungen ausprägen und somit biologisch einzigartig sind.
Die Heumulchübertragung garantiert auch für Kleintiere und Mikroben die Reise zum neuen Standort. Dazu gehören u.a. Schmetterlingseier bzw. Puppen. Der Schachbrettfalter auf der Hand von Martin Meyer zeigt an, welche zoologische Kapazität solche Original-Ansaaten haben.

Erste Ansaaten 2015

Wir starten mal mit 7553 m² im Juni 2015. Verschiedene Mischungen und Mischer werden hier ausprobiert. Artenvielfalt beginnt ganz, ganz klein und hier noch unsichtbar.

So sieht es aus, wenn man nichts sieht. Aber auch der Nichtsehende sieht was, nämlich dass hier feuchte und trockene Stellen wechseln. Das wird ein spannendes Biotopmosaik in der künftigen bereits gesäten Wildblumenweise. Denn auch hier gilt: Nur wer sät, der sieht.