Tomaten plus Laubfrösche

Projektkordination

Peter und Stefan Scherzer, Nürnberg; Reinhard Witt, Ottenhofen

Planung

Reinhard Witt, Ottenhofen

Projektmitarbeit

Naturgartenprofi II: Britta Koslowski, Halver. Naturgartenprofi III: Mandy Junghans, Bergisch-Gladbach; Ralf Geyer, Kefenrod. Naturgartenprofi IV: Fanziska Bauer-Masur, Lenggries; Eva Distler, Darmstadt; Katrin Kaltofen, Dresden; Anja Siggelkow-Göpfert, Rethwish-Bad Doberan; Eugen Sturmlechner, Bregenz; Dagmar Wiegel, Haar. Naturgartenprofi V: Wilfried Ammann, Rankweil.

 

9105 m² Wildblumensäume und Wildgehölzhecken
3850 m² Naturteiche und Feuchtflächen
3487 m² nährstoffreiche Blumenwiesen
2774 m² nährstoffarme Blumen-Schotter-Rasen
1370 m² Sumpfbecken und Wassergräben
800 m² magere Blumenwiesen und Trockenstandorte
492 m² nährstoffreiche Blumenrasen
1120 Wildsträucher und Bäume in 92 Arten
3630 Wildstauden von 100 Arten
17800 frühlingsblühende Zwiebeln und Knollen

Kosten: € 7/m²

Nach Höffler Gemüsebau in Nürnberg 2013 nun Scherzer Gemüse in Dinkelsbühl. Bloß in einer anderen Dimension. Von den 15,4 ha Gesamtbetriebsgelände werden 21878 m² naturnah, knapp 14 % der Fläche. Der Naturschutz fordert 10 % der Landesfläche für das Überleben unserer Tierarten, Scherzer Gemüse übertrifft das. Auf diesem vorher relativ artenarmen Projektgelände bedeutet eine naturnahe, artenreiche Planung mit einer Vielzahl von Lebensräumen für Flora und Fana eine bedeutende ökologische Aufwertung. Es gelang mit den Außenanlagen, die landschaftliche Qualität und Vielfalt der für die Region prägenden Lebensräume aufzuzeigen. Neben wichtigen Strukturelementen finden sich typische Pflanzenarten der Region im Gelände wieder. Dieser starke regionale, landschaftliche Bezug zeigt sich auch in der Verwendung von standortheimischem Saatgut, wo immer möglich. Auch die Gehölze für dieses Projekt kommen aus dem gleichen Naturraum. Bei der Pflanzenplanung wurde besonderer Wert auf die in den vorliegenden Kartierungen genannten Pflanzenarten gelegt. Im Einzelnen wurden u.a. mit der Hilfe von Naturgartenprofteilnehmern verschiedener Kurse folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • artenreicher Waldrand mit Wildblumenansaaten und Hochstaudensaum
  • 34 temporäre Kleingewässer für Amphibien
  • verschiedenste Wildblumenwiesen (fett, feucht, wechselfeucht, mager)
  • verschiedenste unterschiedlich gepflegte Wildblumensäume
  • nährstoffreiche Blumenrasen und nährstoffarme Blumen-Schotter-Rasen
  • Baum- und Heckenelemente und Strukturen an verschiedenen Seiten
  • Trockenstandorte aller Art aus Sand, Kies, Schotter
  • Totholzstrukturen wie Wurzelstöcke, Asthaufen
  • Lesesteinhaufen
  • großer Fledermauskeller

Damit wird ein erheblicher Beitrag zur Erhöhung der Biodiversität auf dem Firmengelände geliefert. Ein erster Erfolg wurde schon hörbar. Die für Gelbbauchunken und Laubfrösche auf dem Gelände angelegten über 30 flachen Naturteiche haben Zuzug bekommen. Neben unzähligen Wasserfröschen rufen an einen der Versickerungsteiche schon 8-10 Laubfroschmännchen. Hiermit ist aus zoologischer Sicht bewiesen, dass Laubfrösche und Tomatengewächshäuser im Grunde nebeneinander klarkommen können. Sensationell ferner die Erstbrut eines Flußregenpfeifers auf dem Betriebsgelände noch im Anlagejahr 2015: 34 Wasserflächen und viele Trockenstandorte luden dazu ein. Auch wimmelt das Gelände bereits von ungewöhnlichen Hautflüglern wie der Sandgrabwespe.

 

 

14 % naturnah

Im März und April 2015 wird 10 Tage lang fleißig Gelände modelliert, gebaut, gepflanzt und gesät. Eine Mammutaufgabe, bei über 2 Hektar naturnaher Außenfläche.

Der lehmig-sandige Untergrund hielt Regenwasser ganz von alleine. Die Chance auf Laichplätze für Laubfrösche und Gelbbauchunken.
Überall im Gelände entstehen kleine und größere Gräben und Teiche, insgesamt 34 Stück.
Auf der Nordseite ist Platz für Teiche...
Und wer sagt, dass nicht auch die Westseite noch Platz für die eine oder andere mehr oder weniger große Wassersenke hätte?
Auf der Südseite entstehen ganze Wasserbeckengruppen. Schließlich müssen die ingesamt 1370 m² Naturteiche und Wassergräben ja irgendwie zusammen kommen.
1120 Gehölze wollen erst mal gepflanzt werden.
Neben den blumigen Saum- und Wieseneinsaaten finden so natürliche Wildgehölzgruppen, Gebüsche und Einzelgehölze ihren Platz und ihre Aufgabe: Die Ernährung künftiger Heerscharen von Tieren.
Die Naturgarten-Profi-Praktikanten sind außerordentlich fleißig und pflanzen, was das Zeug hält.
Fehlte nur noch die Kleinigkeit von 3630 Wildstauden in über 100 Arten auszustellen und einzusetzen. Wir haben ja sonst nichts Besseres. Doch, wo ist der Quirlblütige Salbei?
Ausgestellt ist schnell, doch wer pflanzt all die Wildstauden? Wer hat das geplant? Wer bestellt?
Hier wird ein Schurrasen zum Blumen-Kräuterrasen. Ein paar hundert Wildstauden - und schon blüht es.
Nicht zu vergessen Dutzende von Wildblumenmischungen und gut 200 Einzelarten. Wer den Überblick hat, schwindelt. Hier liegen Tausende Euro Saatgut. Fein.
Der kleinste Fleck ist es wert, zum Wildblumenland zu werden. Um den Pufferspeicher wird der vorhandene Grobschotter mit Sand und Kompost in ein Glockenblumenareal verwandelt.
Drei Eidechsenhauptquartiere werden in den südseitigen Gewächshausecken erbaut. Mögen sich viele Zauneidechsen dahin verlaufen.
Am südseitigen Eingang entsteht eine Fantasielandschaft aus Baumwurzeln, Holzstämmen, Recyclingbruch- bzw. Natursteinen und sonstigen Fundstücken vom Gelände. Also nicht nur für menschliche, vor allem für tierische Besucher gemacht.
Eine gelungene Wildstaudenbepflanzung kombiniert mit gezielten Einzelwildblumenansaaten runden das Bild ab. Menschen und Tiere können gucken kommen.
Peter Scherzer kümmert sich persönlich um die Vielfalt im Gelände. Es muss immer Vorreiter geben, die offen sind für eine neue Idee der Geländegestaltung. Anders als Rasengrün und ein paar Alibi-Bäume.
Die Laubfrösche sind schon während der Bauarbeiten eingezogen. Doch bis sie alle 34 Naturteiche, Wassergräben und die Wildblumenmeere entdeckt, erobert und besiedelt haben, müssen sie sich noch ganz schön durchs Gelände hangeln.
Und kurz nach Ende der Bautätigkeit ertönt der schrille Schrei von Flußregenpfeifern. Die Rote-Liste-Art verleiht dem Gelände brütend eine neue Qualität.

Erste Blüten nach 3 Monaten

Viele haben nicht geglaubt, dass hier jemals etwas wachsen kann. Zumal Mittelfranken in diesem Jahr unter starker Trockenheit leidet. Doch Wildpflanzen kennen das schon. Seit ewig. Sie sind trotzdem gekeimt.

Die nährstoffreichen Blumenwiesen auf der Südseite machen schon was her: Kornblumen und Kamillen im weiß-blau-bayerischen Duett.
An der Einfahrt brummt und summt es kräftig. Färberkamillen und Co. sorgen dafür.
Einige Stellen sind schon auffallend gut geworden.
Zwei Tage jäten und mähen wir mit 3 Leuten, das reicht fürs Gröbste und für 2,2 Hektar. Firmenchef Peter Scherzer langt ebenfalls zu.